Konzeptpapier GRÜNES Beethovenfest 2020

„Klassische Musik muss raus aus dem mit dunklem Holz verkleideten Konzertsaal, sie muss rein ins Leben.“Im Jahre 2020 feiert Ludwig van Beethoven seinen 250. Geburtstag. Geboren wurde er in Bonn. Gewiss eine große Chance, Bonn Deutschlandweit und weltweit kulturell und touristisch zu vermarkten. Diese ist jedoch nur gegeben, wenn die Darbietung von klassischer Musik neu gedacht wird. Längst ist das Werk Beethovens weltweites und vor allem europäisches kulturelles Erbe. Österreich spielt mit Wien eine markante Rolle der Marke Beethoven, aber auch deutsche Kulturstädte wie Köln oder Bayreuth haben keineswegs die Absicht, den 250. Geburtstag allein der Stadt Bonn zu überlassen. Auch die weltweite Sicht auf Beethoven sieht Bonn nicht als Hauptwirkungsort des Künstlers, sondern primär als seine Geburtsstadt. Sollte Bonn im Jahr 2020 versuchen, das gleiche Programm, das gleiche Konzept und das gleiche traditionelle Bild von klassischer Musik auf die Bühnen zu bringen wie Bayreuth oder Wien, wird die Bundesstadt aller Wahrscheinlichkeit schon allein aus strukturellen und finanziellen Gründen dieses kulturpolitische Armdrücken verlieren. Die Geburtsstadt muss die Marke Beethoven neu erfinden und das Jubiläum nutzen, um klassische Musik mutig und neu zu interpretieren. Darin liegt der Schlüssel um Bonn im Jahre 2020 über das Jubiläumsjahr hinaus nachhaltig als Stadt der Kultur und Verständigung zu etablieren.Klassik verliert nicht an Marktwert. Die Verkaufszahlen steigen weiter, neue Märkte finden sich vor allem in Asien. Aber gerade in Deutschland leidet Klassik unter einem Image- und Generationsproblem. Es wäre töricht nicht zu sehen, dass allzu viele Plätze in Konzerten von Silberhaaren besetzt sind. Darin liegt für Bonn aber auch eine Chance. Wenn es gelingt, klassische Musik so darzubieten, dass damit neue Zielgruppen erreicht und junges Publikum für klassische Musik begeistert wird, hat dies einen Effekt für die Bundesstadt, der nachhaltiger und kulturpolitisch sinnvoller ist als jedes Festspielhaus. Wer dies jedoch dadurch erreichen möchte, indem er für klassische Musik mit jugendlicher Sprache und grellen Farben wirbt, jedoch dasselbe Programm in denselben Häusern spielt, oder Beethovens Neunte ein Dutzend Mal öfter aufführt, wird scheitern. Es braucht Programme, die nicht von der arroganten Grundhaltung geprägt sind, dass klassische Musik die einzig wertvolle Kultur darstellt, mit der nachfolgende Generationen zwangsbeglückt werden sollen. Stattdessen sollte man breiter aufgestellte Projekte und Ansätze wagen, die verschiedene Stilrichtungen miteinander kombinieren. Im Prinzip muss es darum gehen, bestehende „populäre“ musikalische Veranstaltungen mit klassischer Musik passend zu ergänzen und so eine reizvolle Mischung zu schaffen. Dabei sind Ort und Art der Veranstaltung zu beachten. Diese beiden Elemente müssen bei der Inszenierung klassischer Musik erneuert werden. Um Beethoven neu zu erfinden, brauchen wir  Kompositionsaufträge für Musiker neuer Stilrichtungen, wie zum Beispiel elektronischer Musik durch DJ’S. Gleichzeitig sind auch Cross-Over Veranstaltungen zwischen bildender Kunst, Performance, Tanz sowie Medienkunst höchst attraktiv. Beethoven kann Bass, Etüde kann Elektronik und Lasershows können Götterfunken. Bonn hat ein großes musikalisches Potenzial. Bonn singt, spielt und musiziert. Dieses Potenzial gilt es nutzen und positiv in das Jubiläumsjahr einzubinden. Chöre auf allen Plätzen, Solisten auf allen Straßen, die Bands in der Beethovenhalle und das Orchester im Bonner Loch. Klassische Musik muss raus aus den mit dunklem Holz verkleideten Konzertsaal, sie muss rein ins Leben.

 

Dr. Ros Sachsse-Schadt & Tim Achtermeyer

 

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