AKW-Laufzeitverlängerung schadet Stadtwerken

Zu den Auswirkungen der Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken auf die Stadtwerke erklärt die umweltpolitische Sprecherin der Grünen im Rat der Stadt Bonn, Brigitta Poppe:

 

„Die Bundesregierung hat mit der Entscheidung für eine Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke eine fatale Entscheidung getroffen – nicht zuletzt für die Kommunen. Sie hat sich den vier großen Energiekonzernen gebeugt und damit die vielen Stadtwerke, die seit Jahren in den Umbau zu einer effizienten und nachhaltigen Energieversorgung investieren, vor den Kopf gestoßen.

 

Allein in NRW investieren die 230 Stadtwerke mehr als 1,4 Mrd. Euro jährlich in den Ausbau der kommunalen Infrastruktur. Die Laufzeitverlängerung ändert die Geschäftsgrundlage der Stadtwerke, die sich auf den geplanten Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Beendigung des Atomzeitalters eingestellt hatten. Geplante Investitionen in Milliardenhöhe drohen in den nächsten Jahren zurückgestellt zu werden. Davon betroffen sind neben der Branche der Erneuerbaren Energien auch die örtlichen Handwerksbetriebe. Die 230 Stadtwerke in NRW sind das Rückgrat der dezentralen Energieversorgung, sie beschäftigen mehr als 39.000 Mitarbeiter. Der Beschluss ist ein grobes Foul gegen die Stadtwerke.

 

Die Stadtwerke Bonn (SWB) versuchen, bisher besonders unter dem Aspekt der zu erwartenden Reduktion des Atomstroms, ihr Kapazitäten an Eigenprodukt extrem zu steigern. Angestrebt werden bis zu 80% Eigenproduktion mit dem besonderen Schwerpunkt auf CO2-reduzierte (GuD Kraftwerke) bzw. CO2-freie (Offshore-Windparks) Produktionsformen. Der Beschluss der Schwarz-Gelben Atomlobby versetzt dieser Planung einen deftigen Tritt. Er zementiert die Monopolsituation der Großen Vier und versucht damit Stadtwerke wie die Bonner SWB wieder in den Schoß von RWE, EON, ENBW und Vattenfall zu zwingen.

 

Nicht zuletzt ist eine Verlängerung um durchschnittlich zwölf Jahre reine Augenwischerei. Denn nicht die Restlaufzeit, sondern die Reststrommengen werden für die Berechnung der Verlängerung zu Grunde gelegt. Das kann zur Folge haben, dass es letztlich zu einem Weiterbetrieb auch nach 2040 kommt. Diese Methode öffnet Tür und Tor für weitere Tricksereien der großen AKW-Betreiber.“

 

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