Bestenauslese a la Dieckmann

Als im General-Anzeiger vom 30. März 07 über das Personenkarussell im Bonner Stadthaus zu lesen war, gab die CDU-Fraktion am gleichen Tag folgende Erklärung ab:?Die CDU-Fraktion tritt mit Nachdruck dafür ein, dass bei der Besetzung von Spitzenpositionen in der Stadt ein geordnetes Auswahlverfahren ? zu dem auch die Einschaltung eines Headhunters gehört ? unabdingbar ist.?Zeitgleich ließ die SPD-Fraktion verbreiten:?Dezernenten in einer Stadt sind politische Wahlbeamte. Dennoch ist es für die SPD-Fraktion unumstößliche Richtschnur, dass die politische Wahl erst erfolgen wird nach Ausschreibung und Einschaltung eines Personalberaters. Damit wollen wir die besten Kandidatinnen und Kandidaten für eine Bewerbung gewinnen. Dieses Verfahren haben wir bei der Nachfolge für den Stadtbaurat durchgesetzt, das werden wir auch bei der evt. erforderlichen Neubesetzungen des Sozialdezernats anwenden. Und das Verfahren gilt selbstverständlich auch für alle anderen eventuell erforderlichen Verfahren zur Nach- und Neubesetzung im Verwaltungsvorstand…?

 

Für die Ratssitzung am vergangenen Montag legte Oberbürgermeisterin Dieckmann allerdings einen Beschlussvorschlag vor, nach dem unter der verschleiernden Überschrift ?Wahl eines Allgemeinen Vertreters der Oberbürgermeisterin und Anpassung(??) des Dezernatsverteilungsplanes? die Neubesetzung des Dezernates I (zuständige für Personal(!), zentrale Dienste und die Bezirksvertretungen) ohne Ausschreibung und ohne Einschaltung eines Personalberaters mit der Ernennung des derzeitigen Umweltdezernent Dr. Volker Kregel (CDU) empfohlen wurde.Warum ? so fragte sich der erstaunte Beobachter – sollte die Besetzung des zentralen Dezernates I im völligen Widerspruch zu den gerade noch schriftlich zementierten Mindestanforderungen der Herren Hauser und Klein und zu einem Zeitpunkt erfolgen, in dem Herr Hübner als Dezernent und Stadtdirektor ja noch im Amt ist.

 

Weil endlich der Deal zum Tragen kommen sollte, an dem diese Koalition aus OB/CDU/SPD fast 7 Monate geschmiedet hatte: Die CDU gibt ? nachdem sie sich 1,5 Jahre verweigert hat –  ihre Stimmen für die Abwahl der Sozialdezernentin Kretzschmar (SPD) und erhält dafür im Gegenzug die Position des mächtigen Personaldezernenten inklusive des Stadtdirektortitels in Person von Volker Kregel (ehemalig Vorsitzender der CDU Bad Godesberg).Ein sauberes Geschäft auf Gegenseitigkeit, das ? schließlich traut man sich gegenseitig nicht wirklich über den Weg – ?in einem Zug? sprich in einer Ratssitzung abgewickelt werden musste.Natürlich stinkt das Ganze äußerst penetrant zu Himmel und hat mit ?Bestenauslese? eben nichts zu tun ? schließlich wurde ja anderen Männern und Frauen (!) erst gar nicht die Chance eingeräumt, sich um diesen lukrativen Posten zu bewerben. Und weil man sich nicht sicher war, dass die Fraktionsdisziplin bei dieser Geruchsnote auch wirklich alle bei der Stange hält, hatte man sich für alle Fälle noch die FDP auf die Reservebank geholt. Da die 6 Herren dem Deal auch nicht aus Überzeugung zustimmen mochten, musste der Preis schon stimmen: aber für einen eigenen Bürgermeister (Hauschild) und der Zusage, einen FDP-Mann als Umweltdezernent. (bekanntlich ja ein Kernthema der Liberalen) zu bekommen, ließ man schließlich das schwarzrote Leibchen überstreifen?

 

Die GRÜNEN hatten einen Änderungsantrag vorgelegt, der eigentlich ? nimmt man die Erklärungen der großen Fraktionen ernst ? Selbstverständliches einforderte: nämlich eine öffentliche Ausschreibung für die Neubesetzung des Dezernates I.Damit hätte man ein Vorgehen durchsetzen, dem sich der bisherige Personaldezernent Hübner seinerzeit ganz selbstverständlich gestellt hat.Selbstverständlich hätte sich auch Dr. Kregel dann um diesen Job bewerben können.Wie alle anderen hätte er dann die Chance, seine Qualifikation unter Beweis stellen und die Stadt Bonn hätte dann wirklich die immer in aller Munde geführte Bestenauslese praktizieren können?.

 

Aber daran war am Ende die ganz Große Koalition eben kein bisschen interessiert. Dr. Volker Kregel wurde mit den Stimmen von OB/CDU/SPD/FDP installiert.

 

Auch zum Thema Bürgermeister (das sind die ehrenamtlichen Stellvertreter der Oberbürgermeisterin) gab die Kurzkoalition im Rat ein Stück zum Thema ?Bestenauslese?.Auf Antrag von CDU/SPD/FDP wurde der bisherige 1. Bürgermeister Peter Finger (Grüne) abgewählt, obwohl bisher niemand an seiner Arbeit etwas auszusetzen hatte. Im Gegenteil: Alle ? inklusive der OB ? hatten seine Amtsführung bisher in den höchsten Tönen gelobt. Neu wählte die Mehrheit im direkten Anschluss die Kollegen Joisten (CDU), Naaß (SPD) und Hauschild (FDP).Peter Finger bleibt den Bonnerinnen und Bonner nun als 4. Bürgermeister erhalten.Der Vorsitzende des Bonner Haus- und Grundvereins R. Dieter Limbach schrieb zum Thema: ?Nach meiner Meinung ist der Bürgermeister Peter Finger von den Bonner Bürgermeistern der mit Abstand eloquenteste und profilierteste, also der Beste. Und wenn ich dies als Konservativer von einem Grünem sage, dann muss wirklich was dran sein. Warum soll der Beste nicht erster Bürgermeister bleiben??Wir wissen es auch nicht!!!

 

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld