Beu: Realitätstaugliches Gesamtkonzept für den Ausbau des Bonner ÖPNV-Netzes steht aus

Zur von der Bonner Stadtverwaltung jetzt ohne Not losgetretene Diskussion über eine Tieflage der Straßenbahn vor dem Bonner Hauptbahnhof äußert sich der Bonner Landtagsabgeordnete Rolf Beu (GRÜNE), Sprecher für ÖPNV und Bahnpolitik im Landtag Nordrhein-Westfalen:„Eine singuläre Tieflage der vorhandenen Straßenbahn-Linien 61 und 62 im Bereich Stadthaus bis St. Petrus-Krankenhaus erscheint nicht vorstellbar, wie sie anscheinend aktuell von einigen Herren der Bonner Stadtverwaltung und des NVR betrieben wird. Statt neue Wohngebiete und Studien- und Arbeitsplatzschwerpunkte in Bonn erstmals ans Schienennetz anzuschließen, geht es nach dem bekannt geworden Sachstand hier in Wirklichkeit nur darum, eine vorhandene Straßenbahn-Verbindung von oben, nach unten zu verlegen. Dieses Projekt kann aber nur im Zusammenhang mit dem Planfeststellungsverfahren zur Hardtberg-Bahn gesehen werden, das von der Stadtverwaltung schon seit etlichen Jahren still vor sich hin  –  und ohne regelmäßige Berichterstattung im zuständigen Planungs- und Verkehrsausschuss  –  betrieben wird.Unverzichtbar ist stattdessen eine grundsätzliche Klärung und realitätstaugliche Entscheidung über den Ausbau des Bonner ÖPNV-Netzes. Dieses auch finanziell verantwortliche Gesamtkonzept muss unverzichtbar auch die Frage einer Verbindung in den Bonner Westen (Uni-Campus/Endenich/Stadtbezirk Hardtberg) vorab abschließend beantworten. Dies ist Voraussetzung, um den Anteil der umweltfreundlichen Verkehrsmittel am Gesamtverkehr (Modal split) in Bonn endlich nachhaltig zu erhöhen.Für die Fahrgäste ist nicht die reine ‚Fahrtzeit‘ von Interesse, sondern die ‚Reisezeit‘. Ggf. vorliegende Zeitgewinne durch eine verkürzte Fahrtzeit bei einer unterirdischen Führung werden durch die verlängerten Wege von einer U-Haltestelle bis ans Tageslicht oftmals wieder vollständig aufgezehrt. Am Sinnvollsten hat sich stattdessen eine oberirdische Straßenbahnführung auf weitgehend eigener Trasse, mit absoluter Ampelbevorrechtigung erwiesen. Auf Grundlage dieser Erkenntnis wurden z. B. in den letzten Jahren über ein Dutzend neue Straßenbahnnetze in bisher straßenbahnlosen Städten Frankreichs zur Zufriedenheit Aller neu errichtet.Dass Straßenbahn-Fahrgäste lieber ‚mit Aussicht‘ oberirdisch fahren, als durch dunkle Tunnel, braucht nicht extra erwähnt zu werden.Außerdem bleibt festzustellen, dass unter Federführung derselben Stadtverwaltung auf Betreiben der Ratsfraktionen aktuell eine Planung und Beschlussfassung für den neuen Zentralen Busbahnhof (ZOB) erstellt wird, die von einer Beibehaltung der oberirdischen Straßenbahnführung vor dem Hauptbahnhof ausgeht.Im Gegensatz zu Stadtbahnprojekten im Düsseldorfer Norden, in Bielefeld, zw. Oberhausen – Essen und zur erst vor einigen Tagen durch einen Ratsbürgerentscheid abgelehnten CampusBahn in Aachen liegen keinerlei Förderanträge oder gar -zusagen für eine Straßenbahntieflage vor dem Hauptbahnhof vor, so dass vermeintliche Äußerungen des Bonner Tiefbauamtsleiters bezüglich eines Baubeginns im Jahr 2016 mehr als gewagt erscheinen.

 

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