Collegium Josphinum: Schulausschussvorsitzende wendet sich erneut an Bezirksregierung

In einem Beitrag im nichtöffentlichen Teil berichtete eine Betroffene, wie mit ihrem Kind nach der Anzeige eines sexuellen Übergriffs umgegangen wurde. Weiterhin lässt die Aufarbeitung durch Frau Dr. Schumacher zu wünschen übrig, die im Gegenteil zu einem von der Schulausschussvorsitzenden eingeholten Gutachten einen „verantwortungsvollen Umgang mit diesen besonderen Medikamenten“ (Zäpfchen) feststellte. 

 

Auch die Berufung des Paters, der selbst zugab, Zäpfchen verabreicht zu haben, zum Leiter der Arbeitsgruppe zur Entwicklung eines Konzeptes zur Prävention zur sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen mutet in diesem Zusammenhang mehr als merkwürdig an.

 

Deshalb hat die Schulausschussvorsitzende folgendes Schreiben an die Bezirksregierung in Köln geschickt, damit diese nun vielleicht doch noch im Interesse der Kinder tätig wird:

 

 

Sehr geehrter Herr Poser,mit Bedauern mussten wir Ihre Absage zur Teilnahme am Schulausschuss zur Kenntnis nehmen. Sie schreiben, dass sich die Aufsicht über das Collegium Josephinum im Wesentlichen auf die Rechtsaufsicht erstreckt und nicht auf die Dienstaufsicht.Allerdings müssen wir uns dann die Frage stellen, wer für die Einhaltung des Kindeswohls an den Privatschulen zuständig ist. Denn durch die Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft ist die Frage zu stellen, ob das Kindeswohl am Collegium Josephinum im Vordergrund steht, vor allem bei der anhängigen Aufklärungsarbeit.Es gibt uns sehr zu denken, daß zum Leiter der Arbeit am schulbezogenen Konzept der „Prävention von sexualisierter Gewalt an Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen“ Pater Dr. Langer ernannt worden ist, der, wie bereits in der Presse zu lesen war, als Leiter des Sanitätsdienstes die umstrittene Zäpfchenmethode als Medikation praktizierte. Er hatte auch eingeräumt, selbst Zäpfchen verabreicht zuhaben. (siehe Anlage Druckversion Eliteschule).Der Bericht einer Mutter im gestrigen Schulausschuss, deren Sohn von einem sexuellen Übergriff betroffen ist, zeigt, wie wenig die Schule zur Aufklärung beiträgt.  Das Verhalten der „externen Beauftragten“;  Frau Dr. Schumacher , die eigentlich auch für die Aufklärung und Aufarbeitung zuständig sein soll, lässt am echten Aufklärungswillen zum Schutz und zur Hilfe für mögliche weitere Opfer zweifeln.Wir haben auf eigene Initiative ein Gutachten in Auftrag gegeben mit der Fragestellung, „in welchen Fällen aus kindernotfallmedizinischer Sicht eine Notfallindikation für die Vergabe von Zäpfchen an Kinder oder Jugendliche gegeben ist“.. Professor Dr. med. Singer vom Universitätsklinikum in Hamburg Eppendorf hat die Frage sehr ausführlich beantwortet und kommt zu dem Ergebnis (siehe Anlage Anfrage Zäpfchen),„dass eine notfallmäßige Zäpfchengabe an Kinder jenseits des Säuglings- und Kleinkindesalters  aus kindernotfallmedizinischer Sicht eine ‚contradictio in adjecto’ darstellt: entweder es handelt sich um einen echten, z.B. traumatologischen Notfall, dann sind die in Zäpfchenform verfügbaren Präparate nicht ausreichend effektiv; oder die Zäpfchen haben eine gewisse symptomatische Wirksamkeit, dann handelt es sich nicht um einen Notfall, eine dringende Gabe ohne vorangehende pädiatrische Untersuchung erfordert hätte.Darüber hinaus ist auch in weniger akuten Fällen eine innerschulische Selbstmedikation von sonst gesunden Kindern und Jugendlichen- abgesehen von der für die Altersgruppe untypischen rektalen Applikationsform und allen übrigen, hier nicht zu diskutierenden Gesichtspunkten – aus kinderärztlicher Sicht kritisch zu beurteilen, weil sie ein falsches (unnötig Medikamenten-affines) Signal setzt und in Einzelfällen auch einmal die Diagnose ernsterer Erkrankungen verzögern kann.“ (Zitat aus dem Schreiben Prof. Singer)Die „externe“ Aufklärung am Collegium Josephinum durch Frau Dr. Schumacher (Anlage Provinzialat_03_2012) stellt hingegen u.a. „einen verantwortungsvollen Umgang mit diesen besonderen Medikamenten fest.“ Außerdem führt der Provinzial aus, „dass gegen P. Dr. Jürgen Langer keine Vorwürfe erhoben werden. …..Ohne seine besondere Kompetenz wäre der Einsatz des Sanitätsdienstes an unserer Schule nicht möglich.“Der Schulausschuss der Stadt Bonn hat in seiner gestrigen Sitzung gefordert, dass ein wirklich unabhängiges Gutachten über die neueren Vorgänge und Vorwürfe am Collegium Josephinum erstellt wird, ähnlich wie das Aloisius-Kolleg in Bonn es mit Frau Dr. Zinsmeister in Auftrag gegeben  hat. Weiterhin muss auch der Sanitätsdienst – der nach eigenen Angaben der Schule bis zu 1.500 Einsätze im Jahr hat – untersucht werden.In engem Zusammenhang damit muss auch die Rolle des Paters Langer, der für den Sanitätsdienst verantwortlich ist, beleuchtet werden.Sehr befremdend ist auch die Feststellung des Provinzialat: „eine Sexualbezogenheit im notfallmedizinischen Verhalte der beiden Patres konnte Frau Dr. Schumacher aus ihrer fachlichen Perspektive nicht erkennen.Der Fall, der gerade bei der Staatsanwaltschaft Bonn anhängig ist, handelt von einem angezeigten Übergriff durch einen der beiden Pater im Sanitätsdienst.Es geht hier in erster Linie um den Schutz und das Wohl der Kinder, auch anderer potentieller Opfer an dieser Schule, denen die Möglichkeit der Aufarbeitung und Verarbeitung gegeben werden muss. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das Gegenteil der Fall, wie in der Rede einer betroffenen Mutter deutlich wird, wollte sie mit dem Opfer noch nicht einmal persönlich sprechen.Der Schulausschuss hat gestern noch einmal deutlich zum Ausdruck gebracht, dass die Bezirksregierung insbesondere aufgrund des neuen medizinischen Gutachtens zum Handeln aufgefordert ist.Wir warten gespannt auf Ihre Antwort.Mit freundlichen GrüßenDorothee Paß-Weingartz, Vorsitzende des Schulausschusses der Stadt BonnPetra MerzFraktionsgeschäftsführung Grüne Ratsfraktion Bonn0228 – 77 3814   Mit herzlichen GrüßenDorothee Paß-WeingartzVorsitzende des Schulausschussesder Stadt Bonn 

 

poststelle(at)bezreg-koeln.nrw.de

 

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