Artikelserie: Deutschland

Toni Hofreiter ist seit 2005 Mitglied des deutschen Bundestages. Von 2011 bis 2013 war er Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Seit 2013 ist er Vorsitzender der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/DIE GRÜNEN.

1. In einem Satz: Was ist für Sie das wichtigste Ziel der internationalen Klimapolitik?

Das wichtigste Ziel ist, die Klimakrise so weit zu begrenzen, dass der Planet Erde lebenswert bleibt.

2. Welche Auswirkungen hat der Klimawandel heute schon in Ihrem Land und welches sind die größten Risiken bei weiterer Erwärmung?

In Deutschland spüren wir die Klimakrise durch eine Zunahme an extremen Wettereignissen. Stärkere Stürme, Phasen langer Trockenheit sowie ergiebigere Niederschläge, teilweise mit großen Niederschlagsmengen in ungewöhnlich kurzer Zeit. Bei einer starken weiteren Erwärmung sähe sich Deutschland mit einer Verschärfung dieser Entwicklung, der Zunahme von Hochwasserereignissen und darüber hinaus mit folgenschweren Auswirkungen an den Küsten aufgrund des steigenden Meeresspiegels konfrontiert.

3. Welche Debatten gibt es in Ihrem Land zum Thema Klimawandel?

Die Klimakrise ist in Deutschland ein seit langem viel diskutiertes Thema. Es gibt viele Menschen, die sich in vielfältiger Weise für Klimaschutz engagieren. Dem stehen aber starke wirtschaftliche Interessen entgegen. Dem Autoland Deutschland und seiner konservativ geführten Regierung unter Kanzlerin Merkel fiel es bislang sehr schwer, die Weichen in Richtung nachhaltige Mobilität ohne Verbrennungsmotoren zu stellen. Ferner ist Deutschland der größte Produzent von Strom aus der schmutzigen Braunkohle – weltweit! Die Umstellung auf Erneuerbare Energiequellen wurde von der Bundesregierung leider stark gedrosselt, die klimaschädliche Kohleverstromung ausgeweitet.

4. Was unternimmt Ihr Land im Kampf gegen den Klimawandel und wie bewerten Sie diese Bemühungen?

Mit dem Erneuerbare Energien Gesetz EEG hat Deutschland unter rot-grüner Regierung erfolgreich Erneuerbare Energien für Bürgerinnen und Bürger, Gewerbe und Industrie interessant gemacht. Binnen weniger Jahre wuchs der Anteil der Erneuerbaren von unter 10 auf über 30 Prozent. Leider wurde dieser erfolgreiche und schnelle Wandel aus vermeintlichen Kostengründen von der Bundesregierung massiv ausgebremst. Auf wirkungsvolle Initiativen zum Klimaschutz in den Bereichen Wärme, Mobilität und Landwirtschaft lässt die Bundesregierung bis heute warten.