Artikelserie: Schweden

Stina Bergström ist Abgeordnete der Grünen Partei im schwedischen Nationalparlament seit 2010. Sie ist Parteisprecherin im Bereich Umwelt und Klima und Mitglied des parlamentarischen Ausschusses für Umwelt und Landwirtschaft.

1. Was ist für Sie das wichtigste Ziel der internationalen Klimapolitik?

Dass alle Länder das oberste Ziel der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen erfüllen: „Eine gefährliche Störung des Klimasystems durch den Menschen verhindern“.

2. Welche Auswirkungen hat der Klimawandel heute schon in Ihrem Land und welches sind die größten Risiken bei weiterer Erwärmung?

In Schweden gibt es immer mehr Anzeichen, dass extreme Wetterereignisse häufiger werden: Mehr Dürren, stärkere Stürme, mehr Waldbrände. Da wir in der Nähe der nördlichen Polarregion sind, ist die Erwärmung bei uns stärker als im globalen Durchschnitt. Weil wir aber ein reiches Land mit Ressourcen sind, sind wir im Vergleich zu anderen Ländern nicht so stark betroffen. Das Hauptrisiko ist der zukünftige Anstieg des Meeresspiegels und die insgesamt negativen Folgen, die der Klimawandel in anderen Teilen der Welt haben wird. So werden Ernährungssicherheit und soziale Stabilität bedroht und Flüchtlinge sind gezwungen, ihre Heimat zu verlassen.

3. Welche Debatten gibt es in Ihrem Land zum Thema Klimawandel? Wie stark ist das Engagement von Bevölkerung und Politik für Klimaschutz?

Die Öffentlichkeit ist sich des Klimawandels im Allgemeinen bewusst und es besteht parteiübergreifend politische Übereinstimmung, dass Maßnahmen gegen den Klimawandel notwendig sind. Im März 2017 haben sieben von acht Parteien im Parlament für die Einführung eines umfangreichen Klimaschutzpakets gestimmt, das weltweit das fortschrittlichste ist. Die Regierungskoalition mit der Grünen Partei hat mehrere wichtige Klimagesetze eingesetzt, darunter das Klimaschutzziel, dass Schweden bis zum Jahr 2045 treibhausgasneutral werden soll. Als Zwischenziel sollen unsere nationalen Emissionen im Transportsektor bis 2030 um 70% verringert werden. Ein unabhängiges wissenschaftliches Gremium wird den Fortschritt der Zielerreichung überprüfen. Wir haben auch eine parteiübergreifende Vereinbarung, 100 % erneuerbare Energien bis 2040 zu erreichen. Wir haben also gute Ziele vereinbart, die Herausforderung ist jetzt, ausreichend starke politische Maßnahmen einzusetzen, die diese radikalen Reduktionen bewirken werden. Die Debatte dreht sich zurzeit um die Besteuerung des Flug- und Straßengüterverkehrs, die Nachhaltigkeit von Biotreibstoffen und die Klimafolgen des Konsums in Schweden.

4. Was unternimmt Ihr Land im Kampf gegen den Klimawandel und wie bewerten Sie diese Bemühungen?

Schweden engagiert sich sehr stark im Bereich Klimawandel. Das Thema gilt als eine der Hauptprioritäten der Regierung. International gesehen ist Schweden der drittgrößte Geber öffentlicher Entwicklungshilfe (ODA) im Verhältnis zur Größe seiner Wirtschaft. 2016 hat Schweden 4,9 Milliarden US$ (zu heutigen Marktpreisen) für Netto-Entwicklungshilfe eingesetzt, das sind 0,94% des Bruttonationaleinkommens. Schweden hat 4 Milliarden schwedische Kronen (etwa 580 Millionen US$) für den Grünen Klima Fonds zugesagt; damit ist Schweden der größte Pro-Kopf-Geber. Schweden ist auch einer der größten Förderer anderer Umwelt- und Klimastiftungen, wie der globalen Umweltfazilität (GEF), der Anpassungsfonds und des Fonds zur Förderung der am wenigsten entwickelten Länder. Schweden bietet auch umfangreiche bilaterale Unterstützung im Bereich Klimawandel.

Es ist festzustellen, dass wir viel mehr Länder brauchen, die das Problem ernst nehmen und politische Maßnahmen ergreifen, die die Emissionen radikal drosseln können, uns läuft die Zeit davon. Die negativen Auswirkungen sind bereits im Gange und wir haben keine Zeit zu verlieren.