Ergebnis des Aachener Ratsbürgerentscheids: kurzsichtig, nicht nachhaltig

Zum Ergebnis des gestrigen Bürgerentscheids in Aachen, bei dem 66,3 Prozent der Teilnehmer gegen das vom Stadtrat mit großer Mehrheit vorgeschlagene Projekt einer elektrobetriebenen Bahn gestimmt haben, äußert der GRÜNE-Landtagsabgeordnete und Fraktionssprecher für ÖPNV und Bahnpolitik Rolf Beu sein Bedauern:

 

„Die in Aachen geplante Wiedereinführung einer Straßenbahn, der sogenannten Campus-Bahn, wäre eine tolle Chance für Aachen und die Region gewesen, um den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nachhaltig und sinnvoll zu verbessern. Offensichtlich konnte den Bürgerinnen und Bürgern aber nicht vermittelt werden, dass einzig innerstädtische Schienenstrecken zu einer dauerhaften Ent-lastung der Verkehrssituation in der Kaiserstadt führen würde und dass die Wiedereinführung einer modernen Straßenbahn sich langfristig auch volkswirtschaftlich rechnet.

 

Diese Chance haben dagegen beispielsweise die Nachbarn in Frankreich erkannt, wo in den letzten Jahren rund 15 Städte Straßenbahnen wieder oder erstmalig einführten und weitere Städte die Einführung von Straßenbahnsystemen in den nächsten Jahren planen. Dies war in allen Städten immer mit einer städtebaulichen Aufwertung verbunden, die auch die privaten Grundstückswerte steigen ließ. Auch einige deutsche Städte haben die Chance genutzt und Straßenbahnsysteme vor kurzem eingeführt, wie z. B. Heilbronn, oder stehen kurz vor der Eröffnung, wie z. B. Weil am Rhein (nähere Infos hier). 

 

Das Erreichen der lokalen Klimaschutzziele wird auch erschwert, wenn Aachen weiter ausschließlich auf eine Flotte dieselangetriebener Busse setzt. Bereits heute werden Millionen Euro jährlich allein für den Diesel ausgegeben, mit dem die Aachener Busse überhaupt erst fahren können. Tendenz: immer steigend und in der Preisentwicklung nicht beeinflussbar. Gleichzeitig produzieren kommunale Stadt-werke selbst Strom, der auch zum Antrieb der Bahnen genutzt werden könnte.

 

Aachen kann keinesfalls damit rechnen, gleichhohe Zuschüsse wie für die Campusbahn möglich gewesen wären, für die Optimierung des Busangebots zu erhalten. Jede verkehrliche Alternativlösung wird den städtischen Haushalt Aachens langfristig mehr belasten, als die Einführung eines modernen Straßenbahnsystems, wie die große Mehrheit des Aachener Stadtrat es mit der Campusbahn geplant hatte.“

 

Weitere Info:  Rolf Beu,  Tel. 0170 – 47 34 593

 

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