Experten-Hearing zum Businessplan des Festspielhauses

Alles außerordentlich optimistisch gerechnet….das kann nicht ohne Subventionen funktionieren… (Langevoort)…..die Größe mit 1500 Sitzplätzen ist problematisch(Bolwin)….ohne städtische Grundfinanzierung geht es nicht….Sponsorengelder können nicht langfristig eingeplant werden, sie sind wie Treibsand (Langevoort)….im Businessplan sind keine Risiken benannt, wer springt dafür ein? (Bolwin)…Festspiele sind nur mit interessanten Ensembles zu machen….Es fehlt eine Idee für das Festspielhaus….nur Beethoven hilft nicht (Langevoort)

 

Das Expertenhearing  war besetzt mit hochkarätigen  Experten, mit Louwrens Langevoort , Intendant der Kölner Philharmonie, Heinz Dieter Sense, Geschäftsführender Direktor der Bayreuther Festspiele,  Rolf Bolwin, Geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins und dem Kulturjournalisten Michael Köhler, WDR und Deutschlandfunk.

 

Alle hatten den Businessplan von der Metrum Management GmbH  vorher durchforstet, um am Ende zu dem Schluss zu kommen, dass ein solches Unternehmen wie das Festspielhaus nur mit einer auskömmlichen städtischen und überregionalen, öffentlichen Förderung aus Bund und Land seriös betrieben werden kann. Keiner der  Diskutanten hatte eine festgelegte Meinung für oder gegen ein Festspielhaus. Es wurden durchaus auch die Vorzüge neuer Konzertsäle angesprochen. Am Standort Bonn ist die Finanzierung und auch der Konzertbetrieb selbst im Businessplan nicht realistisch enthalten. Fragen über Fragen, auch zur Personalausstattung. Erheiterung löste der Plan mit 27 Stellen (Vollzeitäquivalent mit 60.000 € Durchschnittslohn) aus. Ein Haus mit 1500 Plätzen ist damit nicht zu bespielen, es sei denn der Intendant  persönlich hilft gelegentlich an der Abendkasse oder als Pförtner aus. Spitzenorchester nach Bonn zu holen, dürfte gar nicht so einfach sein, dafür fehlt augenblicklich jede Struktur und auch ein Vorlauf für die Architektur.

 

Ein ganz wichtiger Diskussionspunkt war die Frage: Was passiert eigentlich mit den vorhandenen Kultureinrichtungen in dieser Stadt, mit unserer vielfältigen und lebendigen Kulturlandschaft in Bonn, wenn sich alles auf das Leuchtturmprojekt  Festspielhaus ausrichtet? Oper,  Beethovenhalle, Beethovenorchester, Theater  und viele andere?

 

Beethoven allein reicht nicht aus, um das alles abzubilden. Im übrigen gehört Beethoven zum Welterbe und wird im Jahr 2020 überall auf der Welt gefeiert werden. Konzentrieren wir uns auf ein tolles Fest, auf die Inhalte! Dazu müssen wir so schnell wie möglich die Beethovenhalle in einen Zustand bringen, dass sie als einer von vielen Austragungsorten funktionieren kann. Wir haben gute Institutionen und Strukturen in dieser Stadt, man sollte da nichts kleinreden, sondern  etwas daraus machen!

 

Unsere Analysen des Businessplans und die damit verbundenen Befürchtungen und  Sorgen um ein Austrocknen der städtischen Kultur  und  ein untragbares finanzielles Abenteuer  haben sich voll bestätigt.

 

Ros Sachsse-Schadt, kulturpolitische Sprecherin

 

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld