Grüne kritisieren "Vogel-Strauß-Politik" der Verwaltung in Sachen Straßenstrich

Florian Beger, sozialpolitischer Sprecher der grünen Fraktion, erinnert daran, dass der zuständige Fachausschuss einen einstimmigen Beschluss gefasst habe, die Rahmenbedingungen der Straßenprostitution nachhaltig zu verändern:“Die Verwaltung wurde beauftragt, ein Konzept für die verbesserte Betreuung der Frauen vorzulegen, dieser Auftrag hat nach wie vor Gültigkeit, auch wenn die Verwaltung nun offenbar beabsichtigt, ihn einfach nicht umzusetzen. Einmal mehr setzt sie sich über die Beschlusslage der Ratsgremien hinweg.“

 

Angesichts des Gefahrenpotentials, vieler brutaler Übergriffe auf Prostituierte in Bonn und der Wirkungen des Straßenstriches auf seine Umgebung sei es unverantwortlich, den „Kopf einfach in den Sand zu stecken, wie es die Verwaltung vorhat“, so Beger weiter. Strengere Kontrollen durch Ordnungsamt und Polizei und somit mehr Druck auf die Prostituierten, die sich ohnehin schon oft in äußerst schwierigen sozialen Situationen befänden, würden die Probleme eher verschärfen. „Dass dies das einzige Angebot der Verwaltung für den weiteren Umgang mit dem Thema ist, stellt ihr ein sozialpolitisches Armutszeugnis aus.“

 

Die Grünen unterstützen den Plan freier Träger und Initiativen, eine feste Anlaufstelle für Prostituierte zu errichten und die soziale Betreuung der Frauen insgesamt zu verändern. „Dass dies nicht zum Nulltarif zu haben sein wird, war allen Beteiligten im Prozess von vorneherein klar“, so Beger, „im Interesse der betroffenen Frauen gibt es dazu aber keine Alternative“. Ein solches Beratungsangebot könne auch helfen, die negativen Wirkungen der Straßenprostitution auf ihr räumliches Umfeld zu verringern und damit den Beschwerden von Bürgerinnen und Unternehmen Rechnung zu tragen.

 

Unverständlich ist aus Sicht der Grünen, dass die Verwaltung kein so genanntes „Verrichtungsgelände“ einrichten möchte, das mehr Sicherheit für die Prostituierten schaffen könnte. „Nach unserem Informationsbesuch in Köln, wo eine solche Einrichtung seit langem funktioniert, waren sich die Vertreterinnen aller Fraktionen einig, dass wir eine solche Einrichtung auch in Bonn schaffen sollten“, so Doro Paß-Weingartz, Fraktionssprecherin der Grünen, „dass die Verwaltung meint, die Diskussion nun mit einem Federstrich beenden zu können, ist ziemlich dreist und wird dem Problem nicht gerecht.“

 

Die Grünen fordern die Verwaltung nun auf, den interfraktionellen Arbeitskreis zum Thema zügig einzuberufen, um die Sachlage erneut gemeinsam zu beraten. „Offenbar muss die Politik in dieser Frage wieder führen, weil die Verwaltung sich aus der Verantwortung stehlen will“, so Frau Paß-Weingartz weiter, „das Thema ist zu brisant, um es auf unbestimmte Zeit zu vertagen“.

 

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld