Hochwasser in Mehlem und Niederbachem vermeiden

Starker Sturzregen hat den Mehlemer Bach am 3. Juli in einen reißenden Fluss verwandelt. Nach den Überflutungen vieler Geschäfte auf der Mainzer Straße in Mehlem, dem Gebiet nahe des Rheins, entlang der Domhofstraße, an der Bachemer und der Mehlemer Straße herrschten teilweise chaotische Zustände. Viele Mehlemer und Niederbachemer BürgerInnen mussten Hals über Kopf aus ihren Wohnungen flüchten und mit ansehen, wie die Wassermassen ihr Hab und Gut zerstörten. Sogar in Bachnähe aufgestellte Gastanks lösten sich aus der Verankerung und führten aufgrund extremer Explosionsgefahr zu Evakuierungen von mehreren Hundert Bewohnern. Sie müssen jetzt nicht nur für die finanziellen Folgen aufkommen, sondern schweben weiterhin ständig in Angst, dass sich so ein Jahrhundertereignis gerade unter dem Gesichtspunkt des Klimawandels bald wiederholen kann.

 

Die GRÜNEN in Bad Godesberg und in Wachtberg haben sich im Rahmen einer kürzlich stattgefundenen Zusammenkunft auf grundlegende ortsübergreifende Maßnahmen verständigt. Dabei wurde in erster Linie deutlich gemacht, dass als oberstes Ziel von Schutz- und Vorsorgemaßnahmen, sowohl am Mehlemer, als auch am Godesberger Bach ein durchgreifender Schutz vor einzelnen Hochwasser- und Überflutungsereignissen steht. Dabei dürfen bestimmte Bemessungsabflüsse nicht überschritten und es müssen bei Sturzfluten die Schäden und Gefahren entscheidend gemindert werden.

 

Wir bemängeln insbesondere, dass offenbar der Runderlass des Landesministeriums zum § 51 a Landeswassergesetz NRW nicht hinreichend beachtet wurde. Die Flächen wurden durch immer mehr Baugebiete versiegelt und es erfolgt derzeit bei Starkregen meist keine (Teil-)Versickerung vor Ort. Bei der Neufassung der Flächennutzungsplänemüssen nach Ansicht von Wachtberger und Godesberger GRÜNEN ökologische Gesichtspunkte überwiegen und die Ausweisung neuer Baugebiete verhindert werden, die negativen Einfluss auf die Hochwassersituation in gefährdeten Gebieten haben könnten. Dies betrifft nicht nur Gebiete in direkter Bachnähe, sondern auch diejenigen Gebiete in Hanglage, bei denen eine Bebauung zu einer zusätzlichen Versiegelung ohne notwendige Schutzmaßnahmen führen würde.

 

Ebenso vermissen sie die formelle Festlegung von Gewässerschutzstreifen mit Überschwemmungs-/Überflutungsflächen zum 100-jährigen Hochwasser und fordern die schnellstmögliche Erarbeitung von Hochwassergefahrenkarten. Hierzu kann eine Studie zur Simulierung von dreidimensionalen Unwettermodellen vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe eine wertvolle Grundlage darstellen. Die GRÜNE Ratsfraktion Wachtberg und die GRÜNE Bezirksfraktion Bad Godesberg haben sich deshalb als Teil der öffentlichen Daseinsfürsorge auf folgende Ziele und Maßnahmen verständigt und wollen diese in den zuständigen Gremien durchsetzen:

 

-keine Ausweisung neuer Baugebiete bei der Neufassung der Flächennutzungspläne in Wachtberg und in Bad Godesberg, die einen negativen Einfluss auf die Hochwassersituation in gefährdeten Gebieten haben könnten.

 

    die Verringerung der Einleitung von Niederschlagswasser in Baugebieten durch Vermeidung unnötiger Versiegelung, durch Dachbegrünung und durch Bau von Rückhaltesystemen vor Ort im Sinne des Landeswassergesetz NRW § 51a;

 

    die Festlegung von unbebaubaren Schutz- und Überflutungsbereiche, d.h.: kein neues Bauland innerhalb der am 3. Juli 2010 überfluteten Bereiche und die Erarbeitung von Hochwassergefahrenkarten für den Mehlemer und den Godesberger Bach;

 

    die Erhaltung und Schaffung natürlicher und naturnaher Überflutungs- und damit Rückhaltebereiche an geeigneten Stellen;

 

    die Verhinderung von Verstopfung und Blockierungen durch Gegenstände an vorhandenen Durchlässen und Verrohrungen (u.a. durch Gitter und dortige Pflege); die Bach-pflege erfolgt nach allgemeinen – dem Bachbett und Verlauf – angepassten möglichst naturschonenden Pflegestandards;

 

    die Überprüfung der Querschnitte der Bachdurchlässe und Bachverrohrungen im Hinblick auf ausreichende Dimensionierung;

 

    die Renaturierung vorhandener Bachläufe, soweit wie irgend möglich und sinnvoll. Auch die Stadt Bonn ist hier maßgeblich gefordert, da sie nicht nur die Schäden vor Ort mit einer veranschlagten Summe von 500.000 € kurzfristig beseitigen, sondern vor allem vorbeugende Strategien zum Hochwasserschutz an Bachläufen erarbeiten muss. Hierzu werden die GRÜNEN vor Ort zur nächsten Sitzung der Bezirksvertretung und in weiteren Ratsgremien entsprechende Anträge bzw. Fragen stellen.

 

Gerhard Lemm, Tel. 0228-345732Sprecher der Fraktion Bündnis90/DIE GRÜNEN in der Bezirksvertretung Bad Godesberg

 

Oliver Henkel, Tel. 0228-9516981Fraktionsvorsitzender Bündnis90/DIE GRÜNEN im Rat der Gemeinde Wachtberg

 

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