Hunderte Drogenabhängige ohne Versorgung – eine vermeidbare Schlappe für das Bonner Drogenhilfesystem

Zu den aktuellen Problemen der Substitutionsbehandlung für mehr als 400 Patienten erklärt Dr. Detmar Jobst, Mitglied des Sozialausschusses:

 

„Das hätte nicht geschehen dürfen und auch nicht geschehen müssen. Dem Sozialamt der Stadt Bonn waren ebenso wie der Polizei seit Jahren Unregelmäßigkeiten in der Patientenversorgung des Arztes bekannt, der am 31.01. seine Substitutionsbehandlung für mehr als vierhundert Patienten einstellte. Hinweise hierzu kamen auch aus der Apothekerschaft und von ehemaligen Patienten. In Kenntnis der Missstände bemühte sich die örtliche Kassenärztliche Vereinigung vergeblich seit Jahren um einen Entzug der Vergabegenehmigung des Arztes bei der KV-Zentrale in Düsseldorf.

 

Es rächt sich jetzt in besonderem Maße, dass das eigentlich zuständige Bonner Gesundheitsamt schon vor Jahren, vorbei an der Politik, die Kompetenzen für die Suchtkrankenhilfe ans Sozialamt abgegeben musste. Der letzte Drogenkoordinator des Gesundheitsamtes stand im Schatten der großen Träger der Sozialarbeit und des Sozialamtes, kündigte und verließ Bonn. Es gab keine Nachfolger.

 

Das Drogenhilfesystems in Bonn kann, wie sich nun erweist, nicht allein mit den Kräften des Sozialamtes, (nur) durch Caritas und Diakonie aufrecht erhalten werden. Wie die Notlage der betroffenen  Patienten zeigt, gehört die Kommunikation mit und eine Aufsicht durch die Gesundheitsbehörde der Stadt zwingend dazu. Sie hätte rechtzeitig vom Entzug der Vergabegenehmigung aus Düsseldorf im Dezember 2008 erfahren können. So wären Vorbereitungen für den eingetretenen Engpass möglich geworden. Nur sie hat Einblick in das Tun der niedergelassenen Ärzte, z.B. mittels Begehungen von Praxen, Kontrollen der Betäubungsmittelmengen über die Amtsapothekerin und Gefahrenabwehr bei Verdacht auf fortgesetztes ärztliches Fehlverhalten. Das Gesundheitsamt der Stadt Bonn muss seine Kompetenzen nutzen!

 

Die GRÜNE Ratsfraktion fordert die Verwaltung der Stadt Bonn auf, alle Vorgänge, die ein rechtzeitiges Eingreifen in die Praktiken des besagten Bonner Arztes verhindert haben, transparent zu machen, um Systemmängel zu erkennen und Abhilfe zu schaffen. Eine Möglichkeit der Abhilfe ist eine eigenständige Versorgungsstation für Drogenabhängige am Bonner Gesundheitsamt, so wie das in Köln seit Jahren völlig üblich ist. Dies würde auch das Missverhältnis zwischen der Anzahl der Heroinabhängigen und den angebotenen Substitutionsplätzen bessern. Räumlichkeiten und ärztliche  Personal jedenfalls hätte das Bonner Gesundheitsamt! Die entstehenden Kosten würden fast völlig durch die regulären Einnahmen aus den gesetzlichen Krankenkassen hierfür gedeckt werden.“

 

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