Keine Panik vor Jakobskreuzkraut

Die Grünen im Rat der Stadt Bonn warnen vor einer gezielt inszenierten Hysterie gegenüber dem Jakobskreuzkraut. Dazu erklärt ihr Mitglied im Ausschuss für Umwelt- und Verbraucherschutz, Diethelm Schneider:

 

„Ein Thema, dass bisher keine Thema war, wird zum Problem erklärt und – wundersamer Weise – am Ende gleich eine Lösung präsentiert, die man -selbstverständlich – kaufen kann. Als Garant für die Seriosität lässt man Universitätsinstitute auftreten. Aus der Zeit, als die Universitäten noch überwiegend mit öffentlichen Geldern ausgestattet wurden, hängt ihnen der Ruf der Unabhängigkeit und als Garant für Wahrhaftigkeit an. Da heute Drittmittel einen größeren Teil der Forschungsmittel ausmachen, kann davon heute allerdings keine Rede mehr sein, denn zunehmend funktionieren die Universitäten als ausgelagerte Forschungslabore privater Firmen. Bei dieser Konstellation muss es natürlich im Interesse der Forscher sein, Marketing in eigener Sache zu machen und so den Verkauf eigener Produkte (oder der geldgebenden Firmen) zu fördern.

 

Für die Öffentlichkeitsarbeit wurden auch schon erfolgreich Lobbygruppen installiert. Diese können dann einerseits die Verbreitung der ‚Presse-meldungen‘ übernehmen, andererseits kann man dem flüchtigen Betrachter so den Eindruck vermitteln, dass verschiedene Personen unabhängig voneinander das Problem als solches erkannt hätten. 

 

Die eigentliche Story ist an den Haaren herbeigezogen und abenteuerlich:

 

„Jakobskreuzkraut breitet sich rasant aus“

 

Das Jakobskreuzkraut ist eine schon seit alters her bei uns heimische Art, von einer „rasanten“ Zunahme kann ganz sicher keine Rede sein.

 

„Ein Grund für die Ausbreitung des Jakobskreuzkrautes sei unter anderem die Zunahme von Brachflächen, die nicht mit Herbiziden behandelt würden.“

 

Aus der „Zunahme von Brachflächen, die nicht mit Herbiziden behandelt werden“ muss der unvoreingenommene Leser den Schluss ziehen, dass man Brachflächen normalerweise mit Herbiziden behandelt. Möglicherweise ist das gewollt, denn dann entstehen beim Kunden erst gar keine Skrupel, zum Herbizid zu greifen.Zur Klarstellung: Brachflächen sind Flächen, die aus der (bisherigen) Nutzung genommen wurden, also ehemalige Wiesen, Weiden oder Felder. Brachflächen werden also nicht mehr genutzt, also auch nicht als Weide und auch nicht zum Heumachen (Wiese). Es ist daher Schwachsinn, Brachflächen mit Herbiziden behandeln zu wollen – aus welchem Grund auch immer.Sollen verbrachte Wiesen wieder genutzt werden, so lässt sich das Jakobskreuzkraut durch häufigere Mahd zurückdrängen – ganz ohne Gift. Schaut man in der Literatur nach, so findet man, dass es bei der Verfütterung von Heu (sic!) zu Vergiftungserscheinungen kam. Mit anderen Worten: Auf der Weide frisst das Vieh diese Pflanzen nicht! Entsprechend steht auch in der Exkursionsflora von Oberdorfer ‚Weideunkraut‘, was genau das besagt: Das Vieh frisst diese Pflanze nicht, deshalb bleibt sie bei der Beweidung übrig. Daher wird der als mögliche Bedrohung inszenierte Übergang des Toxins in die Milch von Kühen nur unter sehr experimentellen Bedingungen stattfinden – nämlich dann, wenn die Kühe gezielt mit Heu von Jakobskreuzkraut gefüttert werden! Im Wiesenheu wird man dafür nicht genug Jakobskreuzkraut finden – wenn überhaupt.

 

Wir sehen, wie hier aus Halbwahrheiten eine Geschichte gestrickt wird, die dem Leser den Eindruck vermitteln soll, als hinge die Gesundheit der Menschen davon ab, dass man ausreichend Gift einsetzt – ausgerechnet! Dass man mit dem Gifteinsatz (angebliche) Problemarten erst wirklich zu Problemarten macht, weil man ihre Fressfeinde (Regulatoren) damit ausrottet, braucht der Leser nicht zu wissen – er soll ja schließlich das Gift kaufen. Dass von dem Gift nicht nur das Jakobskreuzkraut betroffen wird, sondern alle Nicht-Gräser, führt dazu, dass aus Wiesen reine Grasbestände werden. Hier hat kein Nützling mehr eine Überlebens-Chance, weil es kein Nektar mehr gibt. Damit wird der Einsatz von Gift erst unentbehrlich, weil jetzt keine Regulation der Schädlinge (die erst dadurch zu Schädlingen werden) mehr stattfinden kann.

 

Der Käufer würde so in Abhängigkeit der Chemiekonzerne gebracht. Die Ausrottung der Artenvielfalt ginge dabei mit Siebenmeilenstiefeln voran. Fazit: keine Panik vor dem Jakobskreuzkraut, lieber keine Herbizide!

 

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