Miete wird zur Armutsfalle

Prof. Dr. Detmar Jobst, sozialpolitischer Sprecher der Grünen im Rat der Stadt Bonn zur aktuellen Berichterstattung über die Miete als Armutsfalle:

 

Bonn hat nach 2009 eine jährliche Mietsteigerung von fast vier Prozent zu verzeichnen – einen höheren Wert in der Rheinschiene kann nur Düsseldorf vorweisen. Diese Dynamik verschlechtert die Relation zu den Einkommen. Daher wächst die Zahl derer, die einen Berechtigungsschein für  Sozialwohnungen in Anspruch nehmen könnten, auf nahezu 50% der Einwohner (Angaben des Dts. Städtetages). Bekanntermaßen gibt es tendenziell aber in Bonn jährlich hunderte von Sozialwohnungen weniger, weil sie vertragsgemäß aus der Bindung an niedrige Mieten fallen. Neuer geförderter (= sozialer) Wohnungsbau ist andererseits so unattraktiv geworden, dass die vorhandenen Landesmittel 2012 hierfür nicht vollständig abgerufen wurden!In Bonn stehen außerdem lt. Auskunft des Stadtplanungsamtes insgesamt nur noch ca.  300 Hektar Bauland zur Verfügung – dies reicht bei dichter Bebauung vielleicht für 20.000 Wohnungen. Derzeit werden jährlich 1200 neue Wohnungen in Bonn gefertigt – ca. 10% davon sind Sozialwohnungen. Andererseits stehen 4600 Wohnungen leer. Vielleicht ist die umstrittene Entscheidung des Stadtrates zugunsten einer Zweckentfremdungssatzung ein unverhoffter Schritt, wieder mehr Wohnraum auf dem Wohnungsmarkt anzubieten. Und dadurch, dass plötzlich wieder Wohnungen vorhanden sind,  legen die Mietsteigerungen eine Pause ein.  Gut für Neu-Mieter, gut für deren häusliches Budget, gut für Bonn!

 

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