Nutzpflanzengarten erhalten

Der Botanische Garten der Stadt Bonn hat eine kleine Schwester, die die Mehrheit der Bonner Öffentlichkeit gar nicht kennt: der Nutzpflanzengarten als zweiter wichtiger Garten der Botanischen Gärten der Universität Bonn. Obschon er eine wahre Besonderheit ist: Der Garten umfasst circa 2000 Arten an Nutzpflanzen. Diese Vielfalt und Größenordnung ist in Europa einmalig.

Der Grund, warum Bonn einen solchen bedeutenden Fundus an Nutzpflanzen hat, geht auf den ersten Direktor des Botanischen Gartens zurück: 1861 wurde Julius Sachs berufen. Stetig erweiterte er die Pflanzensammlung und die nachfolgenden Direktoren, wie Friedrich August Körnicke und Wolfgang Franke, beeinflussten die Sammlung maßgeblich. Über die Jahrzehnte wurde der Nutzpflanzengarten weiter aufgebaut, Gewächshäuser kamen hinzu und im Jahr 2002 wurden der Botanische Garten und der Nutzpflanzengarten zu einer zentralen Betriebseinheit zusammengelegt. Eine Erfolgsgeschichte.

Nun scheint jedoch der Nutzpflanzengarten in seiner Ausdehnung und in seinem Bestand bedroht zu sein. Die Universität muss sich vergrößern. Es werden neue Hörsäle und Räume für Institute benötigt. Ein neuer Campus ist im Entstehen. Dabei gerät der Nutzpflanzengarten, dieses europaweit bedeutende Kleinod, offenbar unter die Räder der Baumaschinen.

Bereits eine große Fläche ist für einen zentralen Zufahrtsweg gewichen. Mit verloren gegangen sind dabei das sogenannte Bienenhaus und ein kleines Bürogebäude, dass als Grünes Klassenzimmer ausgebaut werden sollte. Weitere Zufahrtswege sollen neben Parkbuchten folgen – dies alles auf den Restflächen des Nutzpflanzengartens.

Angelica Maria Kappel, Bürgermeisterin der Stadt Bonn: „ Mit ist es sehr wichtig, dass die Fläche und dieser botanische Schatz im Zentrum der Stadt und der unmittelbaren Nähe zum Botanischen Garten in seiner Flächenausdehnung und damit auch in seiner Qualität erhalten bleibt. Auch ist mir sehr daran gelegen, dass dieser Reichtum an Nutzpflanzen der Öffentlichkeit verstärkt zugänglich gemacht werden kann. So wäre es schön, wenn ein Gewächshaus entstehen könnte, in dem die subtropischen und tropischen Pflanzen gezeigt werden könnten: Kakaobaum, Kaffeestrauch, Colabaum – alles subtropische und tropische Pflanzen, die bislang kein Schulkind der Stadt Bonn sich vor Ort anschauen kann, da es kein Schaugewächshaus gibt. Sehr gerne möchte ich dazu Gespräche mit beteiligten Akteuren führen, wie wir für die Universität und die Stadt Bonn eine Win-Win Situation schaffen können. Diese einmalige botanische Sammlung hat nicht nur einen Wert für die Wissenschaft. Auch die Stadt könnte eine Zusammenarbeit suchen und davon profitieren: Schulpädagogik. Das Grünflächenamt könnte wie in der Stadt Andernach Beete mit essbaren Pflanzensorten anlegen.“

Der Nutzpflanzengarten befindet sich am Katzenburgweg ganz in der Nähe vom Haupteingang des Botanischen Gartens am Poppelsdorfer Schloss. Die Gesamtfläche umfasste einmal zwei Hektar. Zum aktuellen Zeitpunkt ist nur noch ca. ein Hektar zugänglich.

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