Pestizideinsatz in der Stadt

In einer Großen Anfrage haben die CDU und die GRÜNEN die Verwaltung um Auskunft gebeten, welche Pestizide und in welchen Mengen diese auf dem Stadtgebiet ausgebracht werden. Hintergrund war das Neonikotinoidverbot der Europäischen Union und der damit dringend notwendige Schutz der Bienen vor solchen Wirkstoffen.Die Antwort der Verwaltung liegt nun vor und muss in einigen Punkten hinter-fragt werden.

 

So gibt die Verwaltung an, dass sie keinen dieser hochkritischen bienentödli-chen Inhaltsstoffe der Neonikotinoide verwendet. Dies ist nicht richtig. Bei dem von ihr selbst angegebenen Insektizid Galypso mit dem Wirkstoff Thiacloprid, handelt es sich um ein Neonikotinoid. Es ist ein Insektizid und wird im Rosengarten der Rheinaue mit immerhin einer Menge von 5 Litern verwendet.

 

Bei der Behandlung von Friedhofswegen geht die Verwaltung noch großzügiger mit Pestiziden um. Hier wird ein Herbizid mit dem Wirkstoff Flumioazin eingesetzt. Dabei handelt es sich nach einer EU-Richtlinie um ein fruchtschädigendes, entwicklungsschädigendes Mittel. Hiervon werden auf Friedhofswegen 36 kg ausgebracht. Wie stellt die Verwaltung sicher, dass keine Kinder und Schwangere mit dem Mittel in Berührung kommen?

 

In der Beschlussvorlage vom 26.04.2001 (DS 0110480NV4) ist auf Initiative der damaligen Ratsmehrheit das grundsätzliche Pestizidverbot wieder aufgeho-ben worden. Nun regelt auch in Bonn nur das allgemein gültige Pflanzenschutzgesetz den Einsatz von Herbiziden. Diese dürfen aber demnach nicht auf befestigten Wegen innerhalb von Grünanlagen, zu denen Friedhofswege zählen, aufgebracht werden. Eine Ausbringung auf den genannten Wegen ist lediglich mit einer Ausnahmegenehmigung seitens des Direktors der Landwirtschaftskammer Rheinland zulässig. Hier muss nachgefragt werden, ob eine solche Ausnahmegenehmigung vorliegt!

 

Bundesweit befürwortet keine Stadt den Einsatz von Herbiziden auf Grund ökologischer Bedenken und  der eher als gering einzuschätzenden Arbeitsentlastung, so die Aussage  der Verwaltung  in der Stellungnahme von 2001. Die Verwaltung prüfte damals anhand von zwei Projekten Alternativen, wie der Einsatz von Pestiziden vermieden werden könnte. Beauftragt wurden damit zwei AB Kräfte und die Biologische Station Bonn. Als Ergebnis wurde der mechanische Wildkrautbesen favorisiert, die sukzessive Umwandlung der Friedhofswege in Rasenwege oder ein Neuaufbau der Friedhofswege durch eine Umwandlung mit vegetationsunfreundlicher Wegedecke. Auch hier muss nachgefragt werden, was davon in der Zwischenzeit umgesetzt wurde und warum jährlich 25 Liter Glyphos und 36 kg Hyganex auf Bonner Friedhofswegen ausgebracht werden.

 

„Wir streben eine pestizidfreie Stadt an, da die Nachteile der Ausbringung von synthetischen Pflanzenschutzmitteln überwiegen. Wir möchten öffentlich zugängliche Flächen, wie Friedhofswege und auch den Rosengarten in der Rheinaue, nicht mit Giften belasten, die gleichermaßen für Menschen und für die Umwelt bedenklich sind“, so die umweltpolitische Sprecherin Brigitta Poppe von Bündnis 90/DIE GRÜNEN. „Auf unserer nächsten Sitzung des Umweltausschusses werden wir die Verwaltung genauer dazu befragen. Im Anschluss werden wir die Verwaltung bitten, ein Konzept zu einer pestizidfreien Stadt zu erarbeiten“, so Brigitta Poppe.

 

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld