Sanierung der Beethovenhalle: Koalition will WCCB als Ausweichspielstätte konzertfähig machen

„Das ist eindeutig die bessere Lösung: Dr. Bernhard Helmich, Stefan Blunier und Helmut Pojunke Dr. B.h. haben uns hiervon in einem gemeinsamen Gespräch überzeugt. Die Bonner Oper scheidet als alternative Spielstätte aus: Dies wäre aus Gründen der Kapazität, der Akustik und der finanziellen Erfordernisse nicht vertretbar. Zudem scheidet für uns auch eine Interimskonzerthalle mit Kosten in Höhe von 10 Mio. € als Lösung aus“, sagten die kulturpolitischen Sprecher Markus Schuck (CDU) und Gisela Mengelberg (Grüne). „Wir haben uns gerade angesichts der haushaltspolitischen Situation die Ent-scheidung nicht einfach gemacht, sind aber zur der Überzeugung gelangt, das die Ertüchtigung des WCCB die wirtschaftlichere, kulturpolitisch bessere Lösung ist.“Der Rat hat die Grundsanierung der Beethovenhalle beschlossen. Dies wird dazu führen, dass für einen Zeitraum von 2-3 Jahren  sowohl für das Or-chester als auch für das Beethovenfest eine alternative Spielstätte bereitgestellt werden muss.Schuck und Mengelberg: „Die Kultureinrichtungen Theater, Oper, und Beethovenfest brauchen jetzt schnell eine verlässliche langfristige Planung. Nur so wird diese kulturpolitisch schwierige Situation in den kommenden Jahren qualitätsvoll zu meistern sein.“Helmich, Blunier und Schmiel hatten dazu auf Anfrage der Koalition ihr Einschätzung auch schriftlich erläutert (S. Anlage).Sanierung der BeethovenhalleStellungnahme der Intendanzen von Beethovenfest, Orchester und Theater zu möglichen Aus-weichspielstätten während der anstehenden Schließung Von zentraler Bedeutung für die Arbeit der o.g. Kulturinstitute und ihre weitere Entwicklung – insbesondere auch im Hinblick auf das Beethovenjubiläum 2020 – ist es, möglichst rasch verlässliche Rahmenbedingen zu erhalten: Für welchen präzisen Zeitraum steht die Beethovenhalle nicht zur Verfügung? Mit welcher Ausweichspielstätte soll alternativ geplant werden? Welche Auswirkungen hat das auf das jeweilige Budget?Da für die Stadt eine eigens zu errichtende, temporäre Interimskonzerthalle aufgrund der hohen Kosten (ein konkretes Angebot aus 2008 bezifferte Gesamtkosten in Höhe von rd. 10,6 Mio. € einschl. MWSt.) offenbar nicht in Betracht kommt, soll auf vorhandene bzw. dann zur Verfügung stehende Räumlich¬keiten zurückgegriffen werden. Das sind nach heutigen Erkenntnissen der Große Saal im WCCB und die Oper.Die wichtigsten Parameter für die Bewertung einer Ersatzspielstätte sind: a.    Platzkapazitätb.    Akustikc.    Probenraum / NebenflächenDie Oper halten wir als Ausweichspielstätte für ungeeignet:a.    Platzkapazität:Im Opernhaus stehen 500 Plätze (oder 1/3) weniger Plätze zur Verfügung als in der Beethovenhalle. Das würde auf der Basis des bisherigen Veranstaltungsumfanges beim Beethovenfest zu Einnahmeausfällen in Höhe von 450.000 € p.a. und beim Beethoven Orchester allein bei den 11 Hauptkonzerten in Höhe von ca. 45.000 € p.a. (zuzüglich möglicher Einnahmeverluste bei den Sonderkonzerten, der Reihe „Klassik um 11“, Kinder- und Familienkonzerten) führen.Dabei ist nicht berücksichtigt, dass es hinsichtlich des Veranstaltungsumfanges aufgrund des Spielbetriebes in der Oper selbst zu Einschränkungen kommen kann. Weiterhin nicht berücksichtigt sind Auswirkungen auf Abonnements und touristische Effekte. b.    Akustik: Grundvoraussetzung für die Nutzung der Oper ist die Beschaffung eines sog. Konzertzimmers, einer akustischen Konstruktion, die den Klang in den Zuschauerraum lenkt, damit er nicht hinter der Bühne verklingt. (geschätzte Kosten rd. 180.000€). Aufgrund der Bühnen- und Raumgröße im Opernhaus können nur Werke der Klassik, der Vorromantik und kleinbesetze zeitgenössische Kompositionen gespielt werden, jedoch nicht bzw. nur eingeschränkt Werke der Romantik (keine Symphonien von Mahler, Bruckner u.a.), der Spätromantik sowie die zentralen Werke des 20. und 21. Jahrhunderts. Dies führt zwangsläufig zu einer erheblichen programmatischen Einschränkung für das Beethoven Orchester und zu einer empfindlichen Einschränkung des Beethovenfestes bei der Auswahl der einzuladenden Ensembles. Hinzu kommt, dass die Nachhallzeiten in dem ursprünglich als Sprechtheater konzipierten Opernsaal zu akustisch unzumutbaren Einschränkungen führen. c.    Probenraum / Nebenflächen: Aufgrund des parallel laufenden Proben- und Spielbetriebs in der Oper sind Proben des Beethoven Orchesters sowie eingeladener Ensembles des Beethovenfestes grundsätzlich nicht auf der Opernbühne möglich. Die Nutzung der Oper bleibt auf Endproben und Aufführungen beschränkt. Das bedeutet, dass zumindest für die Zeit der Sanierung der Beethovenhalle ein separater, hochwertiger Probenraum für das Beethoven Orchester – der während des Beethovenfestes auch von den eingeladenen Ensembles genutzt wird – zur Verfügung stehen muss.Wahrscheinlich ist, dass während des Beethovenfestes in der Oper zusätzliche Flächen (z.B. VIP-Zelt vor der Oper, o.ä.) benötigt werden, was ebenfalls Kosten verursacht. Darüber hinaus hat eine mögliche Nutzung der Oper als Ausweichspielstätte aber auch erhebliche Auswirkungen auf das Theater:o    Um den erforderlichen Auf- und Abbau sowie den Transport von Bühnenbildern bzw. des Konzertzimmers zu gewährleisten, sind zusätzlich zu dem bisher vorhandenen Personal im Bereich der Technik für die Zeit der Interimsnutzung zusätzlich 12 Stellen erforderlich (rd. 500.000 € p.a.).o    Eine Belegung der Opernbühne durch Beethovenfest und Beethoven Orchester führt aber auch dazu, dass eigene Reihen des Theaters (Internationale Tanzgastspiele) und etablierte Kooperationsveranstaltungen (Quatsch keine Oper) entfallen und die Anzahl von Aufführungen je Produktion – auch bei einnahmeträchtigen Musicalproduktionen – reduziert werden müssten.o    Die aus Gründen der Arbeitssicherheit in den kommenden Jahren anstehende, dringend erforderliche Erneuerung großer Teile der Bühnentechnik der Oper soll zwar weitgehend in die spielfreie Zeit der Sommerpausen erfolgen, weitere Beeinträchtigungen des Spielbetriebes sind aber nicht auszuschließen o    Insgesamt wäre die Nutzung der Oper als Ausweichspielstätte nur mit einer deutlichen Erhöhung des jährlichen Zuschusses an das Theater zum Ausgleich von Mehrkosten und Einnahmeausfällen möglich. Damit würde das Sparkonzept des Theaters konterkariert und die konzeptionelle Arbeit des Intendanten eingeschränkt.Der Große Saal im WCCB würde – unter Voraussetzung der Herstellung der Konzerttauglichkeit – die o.g. Anforderungen an eine Ersatzspielstätte im Wesentlichen erfüllen. Notwendige Bedingung sowohl für das Beethovenfest als auch für das Beethoven Orchester ist allerdings, dass die Anmietung des WCCB inklusive der benötigten Nebenflächen zu vergleichbaren Kosten wie in der Beethovenhalle möglich sein muss, bzw. Mehrkosten durch die Stadt Bonn getragen werden.Um den Betrieb des Kongresszentrums außerhalb des Festivalzeitraumes nicht zu sehr einzuschränken, wäre es aber auch bei dieser Ausweichspielstätte erforderlich, für die Proben des Beethoven Orchesters einen unabhängigen Proberaum zur Verfügung zu stellen.FazitSeitens der Intendanzen von Beethovenfest, Beethoven Orchester und Theater gibt es eine klare Präferenz zugunsten des Großen Saales im WCCB unter der Voraussetzung der Herstellung der Konzerttauglichkeit. Bonn, 9.9.2013    Ilona Schmiel    Stefan Blunier    Dr. Bernhard Helmich    Intendantin/Geschäftsführerin    Generalmusikdirektor    Generalintendant    Internationale Beethovenfeste    Beethoven Orchester Bonn    Theater Bonn    Bonn gGmbH

 

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