Umgebungslärmrichtlinie ist ein stumpfes Instrument

In der letzten Ratssitzung vor Weihnachten wurde u.a. über den Lärmaktionsplan der Stadt Bonn diskutiert. Ein solcher Plan muss aufgrund der EU-Umgebungslärmrichtlinie zwingend erstellt werden. Dazu führte der Grüne Stadtverordnete Dr. Detmar Jobst in der Ratssitzung folgendes aus:

 

„Die Umgebungslärmrichtlinie ist ein stumpfes Instrument. Sie bringt kein Geld für Lärmschutzmaßnahmen mit. Sie ist trotzdem eine wegweisende EU-Initiative, weil sie bestehende Emissionsprobleme aufgreift. Wer bisher an seiner Empfindlichkeit gegen Lärm litt, kann aufgrund der Lärmkartierung erkennen, dass und wie laut Bonn ist. Keine Frage der Überempfindlichkeit also. Die Einordung des Fraunhofer Institutes für Physik als viertlauteste Stadt in Deutschland sorgt für Gewissheit: Bonn ist zu laut.Für mehr als 13.000 Menschen in Bonn werden 24 Stdn.-Grenzwerte von 70 dBA erreicht oder überschritten. Menschen, die an solch lauten Strassen wohnen, haben ein um 15% erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt. Permanenter Fluglärm von 70 dBA erhöht das Infarkt-Risiko sogar auf 25%!Daher ist es gut, dass ein kleinteiliger Maßnahmenplan vom städtischen Umweltamt erarbeitet wurde. Mehr als 700 Mitbürger haben sich mit Vorschlägen zur Emissionsminderung beteiligt. Wir sollten als Rat der Stadt dafür sorgen, dass die Maßnahmenplanung unterstützt wird. Wesentlich scheint mir auch, dass die Ratsmitglieder auf die Beschwerden von Menschen in ihren Wahlkeisen hören – wenn sie denn zu den lauten Gebieten gehören. Kontakte zu und Eingaben an die überörtlichen Verkehrsträger wie Deutsche Bahn oder Autobahn- und Straßenbetriebe NRW können zu Maßnahmen führen: Lärmschutzwände, Flüsterbeton oder Geschwindigkeitsbegrenzungen. Vielleicht ist dann das Instrument Umgebungslärmrichtlinie nicht mehr ganz so stumpf – die Geduld ist das Schwert des Klugen.“

 

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