Wir werden auch in Zukunft Schritt- und Mutmacherin sein – 50 Jahre Stiftung Bonner Altenhilfe

Am 7. Dezember 1967 wurde die Stiftung Bonner Altenhilfe ins Leben gerufen, damals mit einem Gründungskapital von gut 1 Mio. Euro. Heute können Maßnahmen mit etwa 100.000 pro Jahr gefördert werden.
Damit werden folgende Ziele unterstützt:
– Beratung
– Freizeitgestaltung und gesellschaftliche Kontaktpflege
– Dienste zur Gesundheitserhaltung (z.B. Fußpflege)
– Mahlzeitendienste
– Erhaltung und Schaffung geeigneter Wohnformen
– Vernetzung der Anbieter von Altenpflege- und Betreuungsdienste sowie kontinuierlicher Ausbau dieser Angebote.
Wir sprachen mit der Vorsitzenden des Kuratoriums, Karin Robinet, über die Geschichte, die Gegenwart und was die Stiftung in Zukunft leisten will.

GRÜNE: Warum war es wichtig, die Bonner Altenhilfe zu gründen? Welche Idee steckte dahinter?

Robinet: Im Gründungsjahr 1967 lebten rund 16.000 über 65jährige in Bonn, die meisten von ihnen waren „Trümmerfrauen“. Sie waren im Jahre 1945 – zum Ende des Krieges – 40 Jahre und älter, oftmals Witwen, die ihre Mann und Kinder im 2. Weltkrieg verloren hatte. Sie lebten alleine, in Wohnungen, die oftmals noch mit Kohleöfen beheizt wurden. Begegnungsstätten gab es noch nicht.
Die wenigen Altenheime waren von „Insassen“ bewohnt, die sich mit 20 anderen einen Raum teilen mussten, es gab keine Sportangebote speziell für die älteren, keine Seniorenstudium, keine Akademien für ältere, kein Essen auf Rädern und keine Begegnungsstätten.
Die Situation der älteren Menschen zu verbessern, das war die Idee, die hinter der Gründung der Bonner Altenhilfe stand. Im April 1967, also gut ein dreiviertel Jahr vorher, wurde der erste Bonner Altenplan vom Stadtrat verabschiedet. Die Stiftung war als ein Teil dieses Plans und auch zur Verwirklichung seiner Umsetzung gedacht.

GRÜNE: Was konnte bislang erreicht werden?

Robinet: Ich möchte hier kurz beispielhaft skizzieren, welche Projekte die Stiftung in den letzten 50 Jahren auf den Weg gebracht hat.
Legendär ist die 1973 erstmals durchgeführte Hilfsaktion „Drei Monate überwintern“ im AWO-Heim in Lantershofen. In geheizten Räumen konnten alte Menschen dort, im wahrsten Sinne des Wortes, im Sinne eines Langzeiturlaubs „überwintern“ – nur eben in der Eifel. Ebenfalls in diese Zeit fällt die Etablierung des Hilfsdienstes „Essen auf Rädern“.
1976 gab es bereits 20 Altenbegegnungsstätten in Bonn und 1986 wurde das erste Tagespflegeheim in der Breite Straße als modellhafte Einrichtung eröffnet.
In den 80erJahren wurde auch erstmals eine Seniorenzeitschrift – das damalige „Seniorenecho“ – von der Stadt herausgegeben.
1992 wurde das „Rollende Rathaus“ ins Leben gerufen, um alten Menschen die Behördengänge zu ersparen. Zwei Jahre später wurde das erste Internetcafé im Haus der Bonner Altenhilfe ins Leben gerufen. Wie fortschrittlich das war vermag man vielleicht daran ermessen, dass bei meinem damaligen Arbeitgeber Internet und Email erst Ende 1995/1996 eingeführt wurde.
Ab ca. 2000 hat auch die Bonner Altenhilfe eine Entwicklung durchlaufen, die die gewandelten demografischen Entwicklungen sowie gesellschaftlichen Einstellungen und damit einhergehend die veränderten Altersbilder widerspiegelt. Heute geht es um die Förderung der Selbsthilfe, der Fähigkeit, das Leben trotz Beschränkungen möglichst eigenständig zu meistern. Es geht um die Lebensqualität im Alter, wie es auch der Zusatz im Logo kennzeichnet. Daraufhin wurden 2003 die Altenbegegnungsstätten zu Stützpunkten „Offene Türen für Senioren“ (SPOTS) umgewandelt.
In den letzten Jahren wurden gemeinschaftliche Altenwohnprojekte und Quartiersmanagement gefördert, ein „Arbeitskreis Demenz“ initiiert und 2016 das Projekt Nachbarschaftshilfe und Patientenbegleitung in Dransdorf und Endenich und der Seniorenbegleitdienst der Stadt aus der Taufe gehoben.
Man könnte also zusammenfassend sagen, in den vergangenen 50 Jahren hat das Haus der Bonner Altenhilfe und die sie begleitende Stiftung dafür gesorgt, dass es den alten Menschen fin Bonn gut geht und wie man so schön sagt, „sich gut aufgestellt hat“.

GRÜNE: Wo ist noch Handlungsbedarf bzw. was kann noch besser gestaltet werden?

Robinet: Momentan findet die Seniorenarbeit in Bonn in erster Linie als Holdienst statt. Das müssen wir ändern. Wir wollen uns dahingehend am Bielefelder Modell orientieren. Dort werden Menschen in Wohnungen von großen Wohnungsunternehmen direkt angesprochen, ob sie Unterstützung benötigen oder selber jemanden unterstützen wollen.
Außerdem möchten wir bessere Perspektiven für „Bürgerhelfer“, Ehrenamtliche, die sie sich sozial engagieren, entwickeln. Das halte ich für eine immens wichtige Aufgabe.
Dabei geht es darum, den Spagat zwischen dem Wünschenswerten und dem Finanzierbaren durch ein neuartiges Zusammenspiel zwischen Ehrenamt und Profis in der Altenpflege zu ermöglichen. Erste Erfahrungen konnten beispielsweise in der Demenz-Wohngemeinschaft und mit dem Tagesbetreuungsangebot des Vereins Lebensqualität im Alter (LeA) gewonnen werden. Größtenteils ältere Menschen leisten Betreuungsdienste und werden hier mit Übungsleiterpauschalen entlohnt. Letztendlich nutzt es beiden Seiten, denen, die Hilfe benötigen und denen, die mit sinnvoller Arbeit ihren Tag strukturieren und sich etwas dazuverdienen wollen.
Auch gibt es noch Informationsdefizite, was die Hilfsangebote in Bonn angeht. Speziell für die Gruppe der Migranten, die von den Hilfsangeboten oftmals viel zu spät erreicht werden mit gravierenden individuellen Folgen, aber auch mit volkswirtschaftlichen Kosten. Auch deswegen fördert die Stiftung Bonner Altenhilfe ein Projekt, das Selbsthilfe von Migranten für Migranten im Alter ermöglichen soll.

GRÜNE: Was möchte die Stiftung in Zukunft bewegen? Wo liegen die Schwerpunkte?

Robinet: Wir werden auch in Zukunft Seelenheilerinnen, Schritt- und Mutmacher, Würdenträger, Taktgeberinnen und viele andere Fähigkeiten, die die Pflegekräfte am Standort Bonn mitbringen, benötigen. Der Mensch geht vor, und menschliche Zuwendung lässt sich auch nicht durch Technik ersetzen – da sind sich alle Digitalisierungsexperten einig.
Trotzdem werden wir uns natürlich intensiv mit der Digitalisierung und auch den technischen Neuerungen beschäftigen. Das wird wahrscheinlich einer der größten Schwerpunkte sein: Wie können Roboter die Pflege unterstützen und Digitalisierung die Verwaltung vereinfachen, sodass die Pflegekräfte mehr Zeit für menschliche Zuwendungen haben.
Gute Projekte sind der Grundstock dafür, dass wir die Stiftungszwecke auch in den nächsten 50 Jahren noch erfüllen können. Dafür benötigen wir weitere Zustiftungen. Wofür wir uns als Kurator*innen einsetzen.

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