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Am 02. September führte der OV Bad Godesberg einen gut besuchten Spaziergang zu Orten der Zwangsarbeit in Bad Godesberg durch. Diesen 90-minütigen Spaziergang hat Jonas Blum von der Gedenkstätte/NS-Dokumentationszentrum Bonn geleitet. Er führte uns zu ausgewählten Orten der Zwangsarbeit in Bad Godesberg Nord und in der Innenstadt während der nationalsozialistischen Herrschaft. Unsere erste Station war das „Arbeitserziehungslager“ (AEL) an der Weststraße. Es befand sich auf dem jetzigen Gelände des Wertstoffhofes von „bonnorange“. Das AEL wurde auf Bestreben von NS-Bürgermeister Alef Anfang 1944 eingerichtet (ein weiteres gab es in den Ringsdorff-Werken in Mehlem). Wir erfuhren, dass bestrafte Zwangsarbeiter*innen, die gegen die ihnen auferlegten (Arbeits-)Pflichten verstoßen hatten, dort gefangen gehalten und „erzogen“ wurden. Sie wurden zu schweren körperlichen Arbeiten wie Straßenbau, Bunkerbau und Bombenentschärfungen herangezogen. Auch Firmen und Geschäfte konnten diese Menschen anfordern. Bis heute gibt es leider keine Gedenk- und Erinnerungstafel am ehemaligen Ort des „Arbeitserziehungslagers“. Die nächste Station war der Standort der ehemaligen Bad Godesberger Firma „Godesia“-Badeöfen (existierte von 1905 bis 1966) an der Friesdorfer Straße, an der Stelle, wo jetzt die neue Polizeiwache entstanden ist. Der Industriebetrieb war einer der größeren „Abnehmer“ von zwangsverpflichteten Arbeitskräften in Bad Godesberg. Nicht nur größere Unternehmen konnten mit Zwangsarbeitenden ihre kriegsbedingten Arbeitskraftprobleme lindern und so extra Profite erwirtschaften. Auch kleine Geschäfte wie die ehemalige Bäckerei Bonsch, Friesdorfer Straße oder die ehemalige Metzgerei Rasting (Koblenzer Straße) nutzen dieses perfide System der menschenunwürdigen Zwangsarbeit zu ihren Gunsten. Unsere letzte Station war das Parkhotel in der Bad Godesberger Innenstadt. Es wurde in den 1920er Jahren gebaut und eröffnet. Auch dort wurden nach Auskunft von Jonas Blum Zwangarbeitende eingesetzt. Damals war das Hotel ein beliebter Treffpunkt verschiedener nationalsozialistischer Gruppen (wie z. B. der rechtsextreme Wehrverband „Der Stahlhelm“). So „nebenbei“ erfuhren wir auch, dass die meisten Zwangsarbeitenden auf dem Gebiet der heutigen Stadt Bonn etwa in der Jutespinnerei Beuel und der Firma Soennecken eingesetzt waren. An dieser Station war unser Spaziergang zu Ende. Er zeigte uns deutlich, dass es etliche Orte der Zwangsarbeit mitten in Bad Godesberg gegeben hat und wie alltäglich und sichtbar sie damals gewesen ist. Für die Teilnehmenden war der Spaziergang kostenfrei. Wir haben 120 Euro Spenden für den Förderverein der Gedenkstätte gesammelt. (Wer mehr zur Zwangsarbeit in Bad Godesberg erfahren möchte, folgende Leseempfehlung: Erhard Stang: „Ich kann aus 20 Russen keine 500 machen.“ Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und Arbeitserziehungshäftlinge bei der Bad Godesberger Stadtverwaltung. In: „Wie herrlich duftet es hier nach Eau de Cologne!“ Bad Godesberg – ein historisches Lesebuch. Herausgegeben von der Bonner Geschichtswerkstatt, 2008, S. 174-188.) Foto (privat): Am Ort des ehemaligen AEL