Stolpersteinspaziergang in Bad Godesberg: Erinnern, damit kein Name vergessen wird

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Rund um den 9. November, den Gedenktag an die Reichspogromnacht von 1938, haben wir auch in diesem Jahr wieder einen Stolpersteinspaziergang in Bonn‑Bad Godesberg organisiert. Zum fünften Mal in Folge waren wir damit in Bad Godesberg unterwegs. Unser Spaziergang reiht sich ein in mehrere weitere Stolpersteinspaziergänge in anderen Bonner Stadtteilen. Gemeinsam setzen wir so in der ganzen Stadt ein starkes Zeichen der Erinnerung.

Zehn Stationen – Viele Lebensgeschichten

Etwa 30 interessierte Bürgerinnen und Bürger folgten unserer Einladung und gingen mit uns durch Bad Godesberg, um an die Menschen zu erinnern, denen die Stolpersteine gewidmet sind. An rund zehn Stationen machten wir Halt, lasen die Inschriften und erzählten die Biografien dahinter – Geschichten von Nachbarinnen und Nachbarn, deren Leben die nationalsozialistische Verfolgung zerstörte.

Stolpersteine im Straßenbild

Gemeinsam reinigten wir die Steine, sodass die Namen wieder gut lesbar im Straßenbild erscheinen. So wird sichtbar, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht irgendwo in der Ferne geschahen, sondern mitten in unserem Viertel, in unseren Straßen, direkt vor unseren Häusern. Jeder Stein steht für ein individuelles Leben, für Hoffnungen, Beziehungen und Träume, die gewaltsam beendet wurden.

Biografien voller Leid und Verlust

Bei unserem Spaziergang haben wir viele Geschichten gehört, die tief berühren. Eine davon erzählt von einer Person, die nicht in einem Konzentrationslager ermordet wurde, sondern im eigenen Zuhause starb, weil ihr Ärztinnen und Ärzte aufgrund der rassistischen Gesetze gegen Jüdinnen und Juden medizinische Hilfe verweigerten. Kein Arzt war bereit zu kommen, und als schließlich doch jemand erschien, kam die Hilfe zu spät. Wie viele andere Schicksale zeigt auch diese Geschichte, wie weit der antisemitische Hass reichte – bis hinein in den ärztlichen Eid, der eigentlich dazu verpflichtet, jedem Menschen in Not zu helfen. Gemeinsam mit den vielen weiteren Biografien macht sie deutlich, wie umfassend der nationalsozialistische Terror in das private Leben eingriff und wie tief er eine ganze Nachbarschaft und Gemeinschaft verwundet hat.

Was Hass mit einer Gesellschaft macht

Gerade diese Geschichte macht deutlich, was geschehen kann, wenn Hass, Ausgrenzung und Entmenschlichung in einer Gesellschaft Raum gewinnen. Am Anfang stehen selten offene Gewalt oder laute Parolen. Oft beginnt es mit Wegsehen, Schweigen und der Bereitschaft, andere Menschen als „weniger wert“ zu betrachten. Am Ende steht dann die Entscheidung, Hilfe zu verweigern oder Unrecht tatenlos hinzunehmen – mit tödlichen Konsequenzen.

Erinnerung als Auftrag für heute

Für uns GRÜNE ist Erinnerung immer auch ein Auftrag an die Gegenwart. Wenn wir heute an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern, wollen wir wachsam bleiben gegenüber Antisemitismus, Rassismus und jeder Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Es ist wichtig, dass wir Hass keinen Platz in unserer Gesellschaft und in unserem Alltag überlassen. Hass spaltet, macht blind für die Not anderer und legt den Grundstein dafür, dass Menschenrechte relativiert und Menschen entmenschlicht werden.

Gemeinschaft statt Spaltung

Dem setzen wir eine andere Haltung entgegen: Wir wollen an einer solidarischen Gemeinschaft arbeiten, statt Gegensätze und Unterschiede in den Vordergrund zu stellen. Unsere Gesellschaft ist vielfältig, und diese Vielfalt ist eine Stärke, wenn wir sie als Bereicherung verstehen und nicht als Bedrohung. Dafür braucht es Respekt, Empathie und die Bereitschaft zuzuhören – gerade dort, wo Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion oder Lebensweise aufeinandertreffen.

Nie wieder – im Alltag

Die Stolpersteine in Bad Godesberg – wie in allen anderen Vierteln Bonns – erinnern uns daran, was geschieht, wenn eine Gesellschaft Menschen ausgrenzt und zu Feindbildern macht. Sie mahnen uns, heute konsequent für eine demokratische, offene und vielfältige Stadt einzutreten. Mit unseren Stolpersteinspaziergängen wollen wir deshalb nicht nur zurückblicken, sondern uns auch fragen, wie wir heute zusammenleben wollen: in einer Gemeinschaft, in der niemand wegen Herkunft, Religion, Aussehen oder Lebensweise um Sicherheit und Anerkennung fürchten muss.

Mit dem Stolpersteinspaziergang in Bad Godesberg setzen wir gemeinsam mit vielen engagierten Bürgerinnen und Bürgern ein Zeichen gegen das Vergessen. Wir stehen für ein „Nie wieder!“, das sich im Alltag bewähren soll – im Widerspruch zu Hass und Hetze, im Schutz jüdischen Lebens und im Einsatz für eine Gesellschaft, die mehr durch Zusammenhalt als durch Abgrenzung geprägt ist.

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