Hinweis: Dieser Beitrag wurde aus dem Archiv unserer alten Website übernommen und technisch für diese neue Website bereinigt. Bilder, Downloads, Einbettungen, Formatierungen oder einzelne Links können daher fehlen oder vom Original abweichen. Auch die Kategoriezuordnung wurde auf die neue Website-Struktur übertragen und teilweise automatisiert ergänzt; dabei können Fehler entstanden sein. Inhalt und ursprüngliches Veröffentlichungsdatum wurden soweit nachvollziehbar übernommen. Der Beitrag gibt den Stand zum ursprünglichen Veröffentlichungsdatum wieder.
Karin Robinet: „Auch das Sterben ist eine Lernreise. Mein Krebstagebuch“ – Buchvorstellung am 14. Mai 2025 im Alten Rathaus Bonn.
Auf Einladung der Grünen Ratsfraktion Bonn wurde das posthum erschienene Buch von Karin Robinet erstmals öffentlich vorgestellt. Über 50 Gäste kamen ins Alte Rathaus, um einen bewegenden Abend zu erleben – mit Lesungen, Erinnerungen und Einblicken in das politische und persönliche Wirken einer engagierten Kommunalpolitikerin. Karin Robinet war bis kurz vor ihrem Tod am 31. Juli 2023 politisch aktiv. Ihr „Krebstagebuch“ begann sie nach ihrer zweiten Krebsdiagnose im Mai 2019. Herausgegeben wurde das Buch von Dr. Ebba Hagenberg-Miliu und Klaus Zühlke-Robinet, die Passagen daraus vortrugen und Karins Haltung zu Krankheit, Leben und Sterben eindrucksvoll vermittelten.
Grüne Sozialpolitik und Engagement für Bonn
Dr. Daniel Rutte, Fraktionsvorsitzender der Grünen Bonn, würdigte in seiner Begrüßungsrede Karins herausragendes kommunalpolitisches Engagement. Für Karin habe Grüne Sozialpolitik im Zentrum ihrer politischen Arbeit gestanden. Ihre Herzensthemen seien der öffentlich geförderte Wohnungsbau, eine teilhabeorientierte Senior*innenpolitik und der generationsübergreifende Zusammenhalt in der Stadt gewesen. Sie war unter anderem Vorsitzende des Aufsichtsrats der VEBOWAG und des Kuratoriums der Stiftung Bonner Altenhilfe. Für ihn sei beeindruckend gewesen, wie nachdrücklich sie sich fast bis zum Ende ihres Lebens für ihre Themen einsetzte und dass sie vielen Fraktionsmitgliedern persönlich verbunden blieb.
Im Anschluss kamen die Herausgeber*innen des Buches zu Wort. Klaus Zühlke-Robinet stellte das Buch vor, ging dabei auf die Entstehung ein und hob einige Themen und Botschaften hervor: „Das Buch basiert auf Karins Tagebuchaufzeichnungen, die sie von Mai 2019 bis Juli 2023 verfasst hat. Ihre letzten Einträge hat sie im Hospiz im Ahrtal gemacht, die sie an Ebba Hagenberg-Miliu und an mich schickte verbunden mit dem Wunsch, dass wir aus diesen Texten ein Buch machen sollten. Diesen Wunsch haben wir gerne erfüllt.“ Ihre Motivation sei gewesen, mit ihren Texten Themen und Fragen aufzugreifen, die ihr in ihrer letzten Lebensphase begegnet sind und für sie Bedeutung hatten: Wie lebt man mit einer unheilbaren Krankheit? Welche Wege (medizinisch, privat, gegenüber Familie und Freund*innen) kann oder sollte man einschlagen? Was bedeutet Lebensqualität in dieser Zeit? Wie kann die durch Therapien „gewonnene“ Zeit genutzt, gelebt und bewusst in die eigenen Hände genommen werden? Was bedeutet es, mit der Gewissheit der vorhersehbaren Endlichkeit zu leben bzw. leben zu müssen? Karins Buch sei kein Ratgeber, in dem Tipps zu finden wären für die eine oder andere Situation angesichts des Todes: „Sie zeigt, wie es möglich ist, trotz einer lebensbedrohlichen Krankheit und den Tod vor Augen, trotz aller Tiefen und Rückschläge aktiv zu bleiben, sich diesen widrigen Umständen zu stellen. Sie begriff ihre Krankheitszeit auch als Lebenszeit, die genutzt werden kann – für sich und für andere.“
Dr. Ebba Hagenberg-Miliu las aus dem Buch vor: „28. Juli 2023. Ausnahmesituation. Zu wissen, man stirbt. Es sind vielleicht nur wenige Tage, die man auf dieser Erde weilt, und man weiß, dass man sich verabschieden muss. Und alle anderen wissen es auch. (…) Ich wünsche mir, dass das, was hier im Hospiz geleistet wird, allen Menschen am Ende ihres Lebens zu Teil wird: eine wohltuende Vorsorge statt Angst vor dem Ende zu erfahren. Und dass alle in der Sicherheit leben, dass sie am Ende ihres Lebens Zugang zu einem Hospizplatz erhalten. (…) Die Pflegekräfte sind die, die (..) dem Satz „dem Tag mehr Leben geben“ seine Bedeutung geben. (…) Es geht um Würde, die mir in einer als würdelos gehaltenen Situation erhalten bleibt.“
Persönliche Einblicke und kommunalpolitisches Vermächtnis
Dr. Annette Standop las aus ihrem Nachruf, der im Anhang des Buches abgedruckt ist: „Karins letzte Worte an mich, (…): ‚Hier [im Hospiz, Anm.] lerne ich, wie wichtig auch nur eine Stunde ist (…). Ich weiß nicht, ob ich morgen noch lebe. Ich habe viele Möglichkeiten sofort zu versterben oder aber doch noch einen Tag mit meinem „Trümmerhaufen Bauch“ zu überleben. (…) Mach Dir keine Sorgen, wenn ich nicht zurückrufe. Wenn ich verstorben bin, wirst Du es erfahren. Bis dahin lebe ich!‘ Bis dahin lebe ich. Das war Karin. Immer aktiv, noch im fortgeschrittenen Stadium ihrer Krankheit, wenn andere Menschen sich längst in die privatesten Beziehungen zurückgezogen hätten oder in eine Depression gefallen wären. Nicht so Karin – es gab doch noch so viel zu tun! Auch im fortgeschrittenen Stadium ihrer Krankheit blieb sie politisch aktiv – ob beim Projekt „Garten für Demenzkranke“ in Pennenfeld, in der Stiftung Bonner Altenhilfe oder bei der VEBOWAG.“
Ein Höhepunkt des Abends war die Vorstellung der Bonner Wohnungstauschbörse durch Natalija Horn und Detlef Eckert (VEBOWAG). Das von Karin mit initiierte Projekt ermöglicht Senior*innen, in kleinere, barrierefreie Neubauwohnungen zu attraktiven Mietpreisen umzuziehen. Realisiert wurde es in der Steinstraße in Bad Godesberg. Heute gilt es als Vorzeigeprojekt auch über Bonn hinaus.
Karin Robinets langjähriger politischer Wegbegleiter Tom Schmidt erinnerte an Karins frühes Engagement in der Partei – bereits Mitte der 1980er Jahre in Hamburg – und an ihre konsequente Haltung, die zum Beispiel in der Niederlegung ihres Mandats für die Bezirksvertretung Bad Godesberg 2009 zum Ausdruck kam, nachdem eine sicher geglaubte Abstimmung in diesem Gremium missglückte. Wenn es um den Verkauf von städtischen Gebäuden samt Grund und Boden an Private ging, sei Karin stets hellhörig geworden. 2008 gründete sie mit Jürgen Endemann (FDP) und Marcel Schmitt (BBB) die Bürgerinitiative „Rettet das Rathaus und die Redoute“, um den Verkauf öffentlicher Liegenschaften in Bad Godesberg zu verhindern.
Mit der Veranstaltung wurde Karins letztes Vermächtnis einem breiten Publikum zugänglich gemacht und ihr kommunalpolitisches Wirken mit etlichen anschaulichen Beispielen verdeutlicht und gewürdigt. Am Ende der Veranstaltung bestand die Gelegenheit, sich untereinander über Karin Robinet und ihr Wirken im Politischen wie im Persönlichen auszutauschen – davon wurde reichlich Gebrauch gemacht
Link zum Verlag des Buches: