Artenvielfalt ist in Bonn gefährdet

Bonn kann sich in das traurige Kapitel des Artensterbens einreihen.

Stellvertretend für den Rückgang und das Verschwinden zahlreicher Tiere und Pflanzen kann der immer kleiner werdende Lebensräume der Wechselkröte im Bonner Nordwesten stehen. Die Wechselkröte, die eine europäisch geschützte Art ist, beschränkt sich in ihrem Vorkommen in NRW auf den linksrheinischen Teil der Kölner Bucht und gilt als „stark gefährdet“.

Trotz des Wissens um ihre dramatische Lage, wird ihr Lebensraum zunehmend weiter eingeschränkt. Neubaugebiete und Gewerbeflächen werden ohne eine ausreichende Berücksichtigung ausgewiesen. Straßenneubauten, um diese Gebiete zu erschließen, lassen weiteren Lebensraum der bedrohten Krötenart verschwinden. Angelegte Ersatzmaßnahmen sind in der Vergangenheit unzureichend angelegt worden, und erfüllen damit nicht ihren Sinn, der Wechselkröte Möglichkeiten zur Vermehrung zu bieten. Die Wechselkröte gilt bereits an zwei Vorkommen im Stadtgebiet als Ausgestorben.

Brigitta Poppe-Reiners, umweltpolitische Sprecherin der GRÜNEN: „Wir brauchen nicht nach Asien, Südamerika oder Afrika verweisen und dort das Verschwinden des Regenwaldes und die darin lebenden Tiere und Pflanzenarten beklagen, wenn wir es noch nicht einmal schaffen, vor unserer Haustür den gefährdeten Arten einen ausreichenden Lebensraum zu sichern.  Der Artenschutz hat immer noch ein zu geringes Gewicht in öffentlichen Abwägungsentscheidungen im Zuge der verschiedenen Ansprüche zwischen dem stetig ansteigenden Bevölkerungswachstum und den dazu gehörigen Bedürfnissen.

Wir Grüne setzen uns immer wieder mit Nachdruck für den Erhalt der Artenvielfalt ein und weisen bei jedem neuen Baugebiet, wie zum Beispiel an der Grootestraße, auf die Artenschutzproblematik hin. Durch unsere fachliche Einflussnahme konnten wir zumindest dort eine tiefer gehendere Artenschutzprüfung durchsetzen.

Jedoch haben wir GRÜNE auch zahlreiche Maßnahmen und Vorhaben für den Artenschutz initiiert oder umgesetzt: im derzeit laufenden Doppelhaushalt sind Gelder für das Anlegen einer Streuobstwiese in Schwarzrheindorf bereitgestellt worden. Das Messdorfer Feld soll zukünftig ökologisch, ohne Pestizide und Kunstdünger, bewirtschaftet werden. Damit sichert es Insekten, Kleinstlebewesen und Feldvögeln einen Lebensraum. Und auch in der Stadtverwaltung haben wir eine Stelle geschaffen, die sich ausschließlich um das Thema Biodiversität kümmert.

Leider reicht all die Anstrengung immer noch nicht aus. Wir müssen unsere FFH-Gebiete und Naturschutzgebiete besser schützen. Stellvertretend sei hier das FFH-Gebiet Siegaue genannt. Die Erholungssuchende einschließlich der Hundebesitzer müssen besser informiert und gelenkt werden. Wir haben die Verantwortung einen solch sensiblen und nur noch selten vorkommenden Lebensraum, zu bewahren.“

Am 22. Mai findet der internationale Tag der Artenvielfalt statt. Der Tag wurde 2000 von den Vereinten Nationen eingeführt. Der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) hat Anfang Mai auf den weltweiten dramatischen Rückgang des Artensterbens in einem umfangreichen Bericht hingewiesen. Rund eine Million Arten sind unmittelbar vom Aussterben bedroht. Das Ausmaß der Gefährdung war demnach noch nie so groß wie heute. Dreiviertel der Naturräume sind vom Menschen erheblich verändert worden. Der Befund ist alarmierend.

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