Straßen werden nach europäischen Persönlichkeiten benannt

Im Bereich des Neubaugebietes Endenich-Nord werden die drei Erschließungsstraßen nach Václav Havel, Robert Havemann und Simone Veil benannt. Die Initiative, die dort notwendigen Straßen nach europäischen Persönlichkeiten zu benennen, die individuell verfolgt wurden, stimmte die zuständige Bezirksvertretung Bonn nun zu.

In der jetzigen Zeit des wachsenden Nationalismus und des Egoismus ist es das richtige Symbol, an Personen unterschiedlicher politischer Couleur zu erinnern, die sich für eine Überwindung der Unfreiheit und für ein demokratisches, friedliches Europa eingesetzt haben.

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Václav Havel: 05.10.1936 – 18.12.2011.

Tschechischer Schriftsteller und Politiker, der von 1989 bis 1992 der letzte Staatspräsident der Tschechoslowakei und von 1993 bis 2003 der erste der Tschechischen Republik war. Der erfolgreiche Schriftsteller beteiligte sich an Protestaktionen gegen das „kommunistische“ Regime. 1977 war er Mitbegründer der Bürgerrechtsbewegung Charta 77 und wurde dafür mehrfach inhaftiert. 1989 wurde Havel zur Symbolfigur des gewaltlosen Widerstands. Er trat für die Aufnahme seines Landes in die EU und die NATO ein. Er war einer der Wegbereiter für die deutsch-tschechische Aussöhnung und Ehrenmitglied im Club of Rome.

Prof. Dr. Robert Havemann: 11.03.1910 – 09.04.1982.

Deutscher Chemiker und politischer Publizist. Der überzeugte Marxist gehörte während des Nationalsozialismus dem Widerstand an und beteiligte sich nach 1945 am Aufbau der DDR. 1942 war er Gründungsmitglied und Leiter der Widerstandsgruppe „Europäische Union“. In den 1960er Jahren distanzierte er sich von der SED-Politik und wurde als bekanntester Regimekritiker von der DDR-Führung unter anderem mit Berufsverbot und langjährigem Hausarrest politisch verfolgt.

Simone Veil: 13.07.1927 – 30.06.2017.

Französische Politikerin. Als jugendliche Jüdin Gefangene der Nazis in den Konzentrationslagern Auschwitz und Bergen-Belsen. Als eine von nur wenigen überlebte sie Holocaust und Todesmarsch, was ihr weiteres Leben prägte. Sie studierte Jura und war französische Gesundheitsministerin („Loi Veil“). Von 1979 bis 1982 erste Präsidentin des Europaparlaments. Für ihre Verdienste um den europäischen Einigungsprozess erhielt sie 1981 den internationalen Karlspreis. 2008 wurde sie in die Académie Française gewählt.

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