Vielfalt in der Praxis

„Vielfalt in der Praxis. Die Erfahrungen von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund an Bonner Schulen“ war die Überschrift der Veranstaltung, die der Arbeitskreis Vielfalt des Kreisverbands Bonn von Bündnis 90/DIE GRÜNEN gemeinsam mit der Dr. Moroni Stiftung am 29. Juni 2018 im Tannenbuscher Sitz der Stiftung  organisiert hatte. Im Mittelpunkt standen die jungen Menschen selbst, die von ihren persönlichen Erlebnissen in Bonner Schulen erzählten. Nermin, Nadja, Melih und Siwan haben gerade Abitur gemacht oder studieren seit kurzer Zeit und hätten die Vielfalt und Heterogenität erfolgreicher junger Menschen mit Zuwanderungsgeschichte kaum besser verkörpern können. Das hochkarätige Publikum – Politiker*innen aus Bundestag, Landtag und Stadtrat sowie Vertreter*innen von zahlreichen zivilgesellschaftlichen Organisationen – lauschte aufmerksam. In allen Erzählungen trat die prägende Rolle von Lehrer*innen in den Vordergrund, als Mutmacher, die Kinder bestärken und in entscheidenden Momenten wie Laufbahnentscheidungen oder Krisen dank des im Vorfeld aufgebauten Vertrauens unterstützend zur Seite stehen können. Genauso tief kann jedoch auch der negative Einfluss von Lehrer*innen wirken. Vor der gesamten Grundschulklasse geäußerte Kritik an der Kleidung eines seit kurzen zugewanderten Mädchens, das Nachspielen von Sklavenarbeit für die dunkelhäutige Schülerin oder nicht nachvollziehbare Differenzen zwischen Klausurnoten und Zeugnisnote – gedankenloses oder von Vorurteilen geprägtes Handeln hinterlässt tiefe Spuren. In der anschließenden, von VertreterInnen zivilgesellschaftlicher Organisationen moderierten Gruppenarbeit wurden nach Reflektion der Erzählungen Fragen und Forderungen an die Politik moderiert. Das abschließende, mit Katja Dörner Mdb, Berivan Aymaz MdL, dem Vorsitzenden des Schulausschusses des Bonner Stadtrats Tim Achtermayer und den integrations- und schulpolitischen Sprechern der Bonner Grünen Carlos Echegoyen und Anja Lamodke hochrangig besetzte Podium erörterte Fragen nach Aus- und Fortbildung von Lehrer*innen, interkulturellem Training, Diskriminierungsbekämpfung, Elternarbeit auf Augenhöhe, Kopftuch und Religionsunterricht. Unser herzlicher Dank geht an Ramy Azrak von der Dr. Moroni Stiftung für die Co-Organisation und an die VertreterInnen von AsA, FIBB, Katholisches Bildungswerk Bonn e.V., Azade, BIM e.V., Kultur verbindet, YASA e.V. und Navend für die aktive Mitarbeit. Für die Jugendlichen war es eine wichtige Erfahrung gehört zu werden und wir sind sicher, dass die Politiker*innen die durch den persönlichen Kontakt gewonnenen Einblicke aktiv in ihre Arbeit einbringen werden.

 

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