Nordbrücke schnell wiederherstellen. Wohnviertel schützen. Verkehrskrise solidarisch lösen.

Blick über die Nordbrücke mit Fahrbahnen und Seilen unter bewölktem Himmel.
Marcel Randazzo

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Beschluss des Kreisvorstandes vom 30. Juni 2026

Die Vollsperrung der Nordbrücke trifft Bonn und die Region mit voller Wucht. Pendlerinnen und Pendler stehen länger im Stau. Handwerk, Handel und Wirtschaft geraten in ohnehin angespannten Zeiten zusätzlich unter Druck. Einsatzkräfte, Pflege, Lieferdienste und soziale Dienste verlieren wertvolle Zeit. Die Innenstadt wird schwerer erreichbar, Busse und Bahnen werden unzuverlässiger, Schulwege und Wohnstraßen unsicherer. In vielen Nachbarschaften nehmen Lärm, Abgase und Schleichverkehr zu. Straßen, die Wohnorte, Schulwege und Wege zum Einkaufen sind, werden plötzlich zu Ausweichrouten. Und das in einer Stadt, die sich in heißen Sommern immer stärker aufheizt und mehr Schutz vor Lärm, schlechter Luft und zusätzlicher Verkehrsbelastung braucht.

Diese Belastungen sind jeden Tag sicht- und spürbar. Sie treffen Menschen, Betriebe und Stadtteile sehr unterschiedlich. Aber sie haben eine gemeinsame Ursache: Bonn fehlt im Norden eine funktionierende Rheinquerung.

Deshalb zählt jetzt Tempo. Bonn, der Rhein-Sieg-Kreis und die ganze Region brauchen im Norden so schnell wie möglich wieder eine sichere, verlässliche und nutzbare Rheinquerung. Bund und Autobahn GmbH müssen jetzt alles daransetzen, den angekündigten Zeitplan zu halten, wo möglich zu beschleunigen und die Region transparent zu informieren. Richtig ist auch, den Rad- und Fußverkehr schnellstmöglich über eine Rampe wieder auf die Strombrücke zu führen. Gerade in der Krise zählt jede sichere Verbindung, die Menschen unabhängig vom Auto mobil hält und die übrigen Straßen entlastet. Diese Rampe muss zügig geplant und umgesetzt werden.

Wir unterstützen diese Schritte ausdrücklich. Die Nordbrücke wird dringend gebraucht: von Pendler:innen, Betrieben, Einsatzkräften, Pflege, Familien, Schüler:innen und allen, die täglich zwischen Bonn und der Region unterwegs sind. Sie muss so schnell wie möglich wieder sicher nutzbar werden.

Bis die Nordbrücke wieder sicher nutzbar ist, muss Bonn den Verkehr anders organisieren: pragmatisch, solidarisch und mit echten Lösungen. Über 100.000 Autos, die bisher täglich über die Nordbrücke gefahren sind, können nicht einfach zusätzlich durch Bonner Innenstadtstraßen rollen. Wer das versucht, produziert am Ende mehr Stau, mehr Lärm, mehr Abgase und somit unsichere Wege und eine ungesunde Stadt.

Es braucht pragmatische Lösungen, damit notwendiger Kfz-Verkehr verlässlicher durch die Stadt kommt. Aber die Krise darf dem Oberbürgermeister nicht als Vorwand dienen, um alte politische Wünsche ohne demokratische Beratungen durchzudrücken. Wünsche, die die akute Lage nicht verbessern. Jede Maßnahme muss sich daran messen lassen, ob sie konkret dazu beiträgt, mehr Menschen sicher und schnell durch die Stadt zu leiten. Denn bei allen durch die Nordbrücken-Sperrung nötigen Optimierungen für den Kfz-Verkehr ist klar: Der Umstieg auf Bus und Bahn, Fahrrad, Fußwege und Fahrgemeinschaften sorgt für weniger Staus. Das wollen wir alle!

Jeder Umstieg auf Bus, Bahn, Fahrrad, Fußwege oder Fahrgemeinschaften schafft Platz für diejenigen, die wirklich auf das Auto angewiesen sind: für Pflege, Handwerk, Lieferverkehr, Einsatzkräfte, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und alle, die keine gute Alternative haben. Lösungen werden deshalb nicht darin bestehen, sichere Radwege, Umweltspuren oder Fußwege ohne gleichwertige Alternativen aus ideologischen Gründen dem Autoverkehr zu opfern. Das verschärft die Krise, statt sie zu lösen.

Der Ausbau von Park-and-Ride/Bike-Anlagen ist richtig, funktioniert aber nur, wenn Bus und Bahn dann auch zuverlässig fahren und der Radweg sicher ist. Aber, gerade weil viele Menschen aus dem Rhein-Sieg-Kreis stärker auf das Auto angewiesen sind, muss Bonn gerade dort besonders gute Alternativen sichern, wo sie schnell wirken: im Stadtgebiet selbst. Busse und Bahnen müssen zuverlässig fahren, Radverbindungen müssen durchgängig bleiben, Ziele in Bonn müssen auch ohne Auto erreichbar sein – so können die Menschen aus Bonn leichter umsteigen und auf den Straßen entsteht Platz für alle anderen. Verbote für den Radverkehr, die Wohn- oder Arbeitsorte unerreichbar machen, lehnen wir deshalb ab.

Gleichzeitig brauchen die vom Umleitungs- und Schleichverkehr besonders belasteten Nachbarschaften Schutz. Wohnstraßen dürfen nicht dauerhaft zu Ausweichrouten werden. Fußwege und Kreuzungen müssen sicher bleiben, insbesondere auf Schulwegen. Lärm, Abgase, Schleichverkehr und chaotische Situationen im Stau sind keine Nebensachen, sondern echte Belastungen und Gefahren für die Menschen vor Ort. Gerade in aufgeheizten Quartieren braucht es deshalb mehr Grün, mehr Schatten und weniger zusätzliche Verkehrsbelastung.

Unsere Leitlinien für die akute Verkehrslage sind deshalb:

  • Bus und Bahn müssen stabilisiert, beschleunigt und zuverlässig priorisiert werden.
  • Sichere Radwege, Umweltspuren und wichtige Radverbindungen müssen erhalten und verbessert werden.
  • Fußwege, Schulwege und Querungen müssen besonders geschützt werden.
  • Wohnviertel brauchen Schutz vor Schleichverkehr, Schwerverkehr, Lärm, Abgasen und zusätzlicher Hitze.
  • Kritische Kreuzungen, Engstellen, Ampelschaltungen, Abbiegesituationen und Verkehrslenkung müssen pragmatisch so organisiert werden, dass Busse, Bahnen, Einsatzfahrzeuge und notwendiger Verkehr nicht blockiert werden.
  • Park-and-Ride/Bike, Fähren, Wassertaxi, Leihradangebote, Fahrgemeinschaften und regionale Umleitungen müssen Teil einer gemeinsamen Entlastungsstrategie sein.
  • Verkehrslage, Maßnahmen und Entscheidungsgrundlagen müssen transparent, verständlich und regelmäßig kommuniziert werden.
  • Bauarbeiten, Ersatzverkehre, Umleitungen, Takte und zusätzliche Angebote müssen zwischen Stadt, Region, Land, Bund, Deutscher Bahn, Verkehrsunternehmen, Rhein-Sieg-Kreis und Nachbarkommunen eng abgestimmt werden.

Die Verkehrskrise darf nicht gegen die Verkehrswende ausgespielt werden. Gerade jetzt zeigt sich: Ohne starke Alternativen zum Auto steht am Ende alles still.

Bonn und die Region dürfen mit den Folgen der Sperrung nicht allein gelassen werden. Der Bund trägt die Verantwortung für die Brücke, darf sich bei den Folgen ihrer Sperrung nicht wegducken und muss sich deshalb auch an der Krisenbewältigung beteiligen. Gerade mit Blick auf die Kosten, die nun auf die Stadt zukommen, muss der Bund schnelle und unbürokratische Hilfe leisten. Wenn die aktuelle Gesetzeslage es verhindert, dass Umleitungsverkehre mit dem Bus und Bahn vom Bund ausgeglichen werden dürfen, kann der Rückzug auf die Gesetzeslage keine Lösung sein – dann muss das Gesetz schnellstmöglich geändert werden.

Was jetzt für Vorlandbrücke, Rampe und Verkehrssicherheit notwendig ist, darf nicht zur Vorentscheidung für die alte Ausbauplanung werden. Bonn braucht die Nordbrücke. Aber Bonn braucht keine doppelt so breite Autobahn mitten durch Wohnviertel.

Mit dem Neubau der beschädigten Vorlandbrücke ist die Zukunft der gesamten Rheinquerung nicht entschieden. Gerade weil die Sperrung gezeigt hat, wie plötzlich sich die Einschätzung zur Stabilität zentraler Bauwerke ändern kann, braucht es jetzt auch Tempo bei der Strombrücke: eine sofortige, ergebnisoffene Prüfung, wie ihr Ersatz schnell und sicher realisiert werden kann – losgelöst von Verbreiterungsträumen und zusätzlicher Autobahnkapazität.

Eine Planung, die die Brücke massiv verbreitert, in bestehende Wohnbebauung eingreift und Eigentumsfragen bis hin zu Enteignungen aufwirft, ist keine Abkürzung. Sie schafft zusätzliche Planungs-, Genehmigungs- und Klagerisiken, kann Kosten erhöhen, Konflikte verschärfen und die dauerhaft verlässliche Wiederherstellung der Rheinquerung verzögern.

Der Neubau der Vorlandbrücke muss daher so konstruiert werden, dass er keine Vorwegnahme des Ausbaus ist. Der Anschluss der neuen Vorlandbrücke an eine neue Strombrücke muss ohne Neubau einer zweiten Vorlandbrücke möglich sein.

Bund und Autobahn GmbH müssen für die Strombrücke und die weitere Gesamtplanung alle relevanten Varianten transparent und vergleichbar darstellen: mit Aussagen zu Bauzeit, Kosten, erforderlichen Verfahren, Eigentumseingriffen, möglichen Klagerisiken, Wohnraumverlust, Flächenverbrauch sowie Lärm-, Klima- und Gesundheitsfolgen.

Gerade weil Bonn diese Rheinquerung so dringend braucht, zählt eine Lösung, die schnell planbar sowie umsetzbar, finanzierbar und stadtverträglich ist.

Die Nordbrücke muss erneuert werden. Aber sie darf nicht zum Symbol einer Verkehrspolitik von Vorgestern werden. Unsere Antwort bleibt klar: schnell wiederherstellen, Wohnviertel schützen, Verkehrskrise solidarisch lösen, Autobahnausbau stoppen.

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