Zur geplanten Ummarkierung der Adenauerallee, die ab dem 14. September 2026 die Vierspurigkeit wiederherstellen soll, erklärt Dr. Barbara Krausz, verkehrspolitische Sprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Bonn:
„Die Stadt Bonn handelt mit der Ummarkierung der Adenauerallee entgegen den tatsächlichen Verkehrsdaten. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Vor der Nordbrückensperrung wurden auf der Adenauerallee durchschnittlich 16.031 Kraftfahrzeuge pro Tag gezählt. Nach der Vollsperrung waren es nur noch 14.708 – ein Rückgang um rund 8 Prozent, in Fahrtrichtung Norden sogar um fast 10 Prozent. Gleichzeitig ist der Radverkehr deutlich gestiegen: von 1.301 auf rund 2.500 Fahrräder pro Tag.“
Sinkender Autoverkehr, steigender Radverkehr auf der Adenauerallee
„Es ist völlig unverständlich, warum bei sinkendem Autoverkehr zusätzliche Fahrspuren für den Kfz-Verkehr geschaffen werden sollen, während gleichzeitig sichere Radverkehrsführungen geopfert und Radfahrende auf Teilen der Strecke sogar von der Fahrbahn verbannt werden. Die Zahlen liefern dafür jedenfalls keine sachliche Begründung. Vielmehr liegt der Eindruck nahe, dass der Oberbürgermeister unter dem Deckmantel der Nordbrückensperrung seine verkehrspolitischen Wahlversprechen umsetzt“, so Krausz weiter.
Ummarkierung der Adenauerallee trotz Haushaltssperre
Besonders fragwürdig sei das Vorgehen auch vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzlage:
„Während der Kämmerer erst Anfang dieser Woche mit sofortiger Wirkung eine Haushaltssperre verhängt hat, wird hier Geld für eine Ummarkierung ausgegeben, deren verkehrliche Notwendigkeit durch die eigenen Daten der Stadt nicht belegt wird. Es ist ein fatales Signal, wenn einerseits von einer gravierenden finanziellen Situation gesprochen wird und andererseits Ressourcen für Maßnahmen eingesetzt werden, die an der tatsächlichen Verkehrsentwicklung vorbeigehen.“
„Wer Radwege zurückbaut, obwohl der Radverkehr wächst und der Autoverkehr sinkt, setzt die falschen Prioritäten. Gerade diejenigen, die mit dem Fahrrad unterwegs sind, tragen dazu bei, die Straßen in dieser schwierigen Verkehrssituation zu entlasten“, erklärt Krausz abschließend.
Hintergrund: Vierspurigkeit und Radverkehr auf der Adenauerallee
Die Stadt Bonn will ab dem 14. September 2026 auf der Adenauerallee die Vierspurigkeit für den Kfz-Verkehr wiederherstellen und dafür die vorhandenen Radverkehrsanlagen zurückbauen beziehungsweise den Radverkehr abschnittsweise anders führen. Die Verkehrsdaten zeigen dagegen, dass das Kfz-Aufkommen an der betrachteten Zählstelle gegenüber November 2025 um rund 8 Prozent zurückgegangen ist. Beim Radverkehr wurden im selben Vergleich deutlich höhere Zahlen erfasst; aufgrund einer geänderten Zählmethode und saisonaler Effekte ist der exakte prozentuale Anstieg allerdings mit Vorsicht zu interpretieren.
Die detaillierten Verkehrserhebungen und Zahlen zur Adenauerallee sind in der Mitteilungsvorlage der Stadt Bonn dokumentiert: Mitteilungsvorlage mit Verkehrsdaten zur Adenauerallee