Digitalisierung & Verwaltung

Eine Stadt, die erreichbar ist und verlässlich handelt

Ob Anmeldung, Bauantrag oder Beteiligungsverfahren: Eine gute Verwaltung macht es Menschen und Unternehmen leicht, ihr Anliegen zu erledigen und Entscheidungen zu verstehen. Wir wollen digitale Wege, die Zeit sparen und funktionieren – und persönliche Hilfe für alle, die sie brauchen oder bevorzugen.

Digitalisierung ist für uns kein Selbstzweck. Sie muss Barrieren abbauen, Beschäftigte unterstützen und die Stadt handlungsfähiger machen. Dafür braucht Bonn offene Daten, sichere und souveräne Technik, klare Verantwortung sowie eine Verwaltung, die zuhört, verständlich kommuniziert und Beteiligung ernst nimmt.

Unsere Ziele

Wir wollen eine Verwaltung, die einfach erreichbar, verständlich und zuverlässig ist. Dienstleistungen sollen digital und persönlich gut funktionieren, Entscheidungen und Daten nachvollziehbar werden. Beteiligung soll früh und auf unterschiedlichen Wegen möglich sein. Gute Arbeitsbedingungen, verantwortungsvoll eingesetzte KI, sichere öffentliche IT, faire Beschaffung und gemeinsam gesteuerte städtische Unternehmen stärken Bonns Handlungsfähigkeit.

Woran wir arbeiten

Städtische Dienstleistungen müssen sich leicht finden, beantragen und nachverfolgen lassen. Wir wollen digitale Verfahren, die vom Antrag bis zur Rückmeldung durchgängig funktionieren, verständlich aufgebaut sind und über den Bearbeitungsstand informieren. Eine städtische App und das Internetangebot der Stadt sollen nützliche Informationen und Zugänge bündeln, gut gepflegt und auf unterschiedlichen Geräten nutzbar sein. Entscheidend ist nicht die Zahl neuer Funktionen, sondern ob sie Wege tatsächlich einfacher machen.

Gleichzeitig bleiben persönliche Beratung, analoge Anträge und Bürgerdienste in den Stadtbezirken unverzichtbar. Menschen, die digitale Angebote nicht nutzen können oder wollen, brauchen erreichbare Unterstützung ohne Nachteile. Gute Terminsteuerung und klare Abläufe sollen Wartezeiten verringern. Auch Unternehmen sollen verlässliche digitale und persönliche Ansprechwege finden. Technik ist dann erfolgreich, wenn sie Routine vereinfacht und Beschäftigten mehr Zeit für Anliegen gibt, die Beratung und eigenes Urteil erfordern.

Verwaltungssprache darf kein Hindernis sein. Wichtige Informationen, Bescheide und Beteiligungsangebote sollen verständlich formuliert und häufiger in Leichter Sprache sowie in relevanten Fremdsprachen verfügbar sein. Digitale Angebote müssen mit Hilfsmitteln nutzbar sein. Auch blinde, sehbehinderte, gehörlose und schwerhörige Menschen sollen Dienstleistungen und politische Sitzungen gleichberechtigt erreichen können.

Barrierearme Kommunikation beginnt aber nicht erst beim fertigen Schreiben. Formulare, Wegweiser und Verfahren müssen aus Sicht der Menschen gestaltet werden, die sie nutzen. Persönliche und telefonische Beratung bleibt wichtig, wenn ein Text nicht ausreicht. Wer auf unnötig komplizierte Abläufe stößt, soll dies einfach zurückmelden können. Verständliche Kommunikation spart Rückfragen, verhindert Ausschlüsse und stärkt das Vertrauen in die Verwaltung.

Demokratische Entscheidungen müssen auch zwischen Wahlterminen nachvollziehbar sein. Wir wollen Rats- und Gremieninformationen übersichtlicher zugänglich machen, Sitzungsübertragungen verlässlich anbieten und Beschlüsse samt Umsetzungsstand leichter auffindbar machen. Verständliche Karten und Darstellungen können helfen, Planungen und ihre räumlichen Folgen einzuordnen.

Auch die städtische Kommunikation soll Menschen dort erreichen, wo sie Informationen suchen. Dazu gehören unterschiedliche soziale Medien ebenso wie freie Alternativen. Transparenz entsteht jedoch nicht durch möglichst viele Daten oder Kanäle. Informationen müssen vollständig, verständlich und dauerhaft zugänglich sein. Zuständigkeiten, Entscheidungsspielräume und nächste Schritte sollen erkennbar werden. So können Menschen besser beurteilen, was entschieden wurde, warum eine Entscheidung so ausfiel und wie es danach weitergeht.

Wer von einer Entscheidung betroffen ist, soll sich frühzeitig und auf passenden Wegen einbringen können. Wir wollen digitale und analoge Beteiligung zusammen denken: Gespräche vor Ort, offene Werkstätten, aufsuchende Formate und digitale Verfahren ergänzen einander. Welche Form passt, hängt vom Thema, vom Viertel und von den Menschen ab.

Beteiligungslots*innen können erklären, wie Verfahren funktionieren, Barrieren erkennen und Wissen aus den Quartieren in die Verwaltung zurückspiegeln. Schulen, Vereine und lokale Initiativen sind wichtige Partner. Kinder, Jugendliche, Frauen und andere häufig unterrepräsentierte Gruppen sollen gezielt angesprochen werden. Auch geloste Formate können sinnvoll sein, wenn sie zusätzliche Perspektiven öffnen. Starke Bezirksvertretungen bleiben wichtige demokratische Orte. Gute Beteiligung benennt Spielräume ehrlich und macht anschließend sichtbar, wie Vorschläge geprüft wurden und was aus ihnen geworden ist.

Städtische Daten können helfen, Entscheidungen besser zu begründen, Ressourcen gezielter einzusetzen und neue Anwendungen für den Alltag zu entwickeln. Wir wollen geeignete Daten grundsätzlich offen, gepflegt und in Formaten bereitstellen, die sich leicht finden und weiterverwenden lassen. Eine urbane Datenplattform kann Informationen aus verschiedenen Bereichen zusammenführen und verständlich darstellen.

Voraussetzung sind hohe Datenqualität, nachvollziehbare Herkunft und ein klarer Zweck. Personenbezogene Informationen müssen geschützt, Daten vor einer Veröffentlichung zuverlässig anonymisiert werden. Sensoren können beispielsweise Hinweise für Stadtplanung, Klima oder Mobilität liefern, wenn Erhebung und Nutzung transparent bleiben. Verwaltung, Stadtgesellschaft, Wissenschaft und Unternehmen sollen mit offenen Daten arbeiten können. So entstehen fundiertere Debatten, bessere Planungen und neue Ideen. Die fachpolitischen Entscheidungen trifft nicht der Datensatz: Sie bleiben demokratisch zu begründen.

Künstliche Intelligenz kann Beschäftigte bei der Suche, Aufbereitung und Auswertung von Informationen unterstützen oder Menschen leichter durch digitale Angebote führen. Wir wollen sie dort erproben, wo ein konkreter Nutzen für Service, Planung oder interne Abläufe erkennbar ist – nicht, weil eine neue Technik verfügbar ist.

Für jeden Einsatz braucht es einen klaren Zweck, eine rechtliche Grundlage, Datenschutz und nachvollziehbare Verantwortlichkeiten. Betroffene müssen erkennen können, wo KI genutzt wird; wichtige Entscheidungen dürfen nicht ohne menschliche Verantwortung an technische Systeme abgegeben werden. Beschäftigte benötigen Qualifizierung und die Möglichkeit, Ergebnisse kritisch zu prüfen. Bonn soll bei Regeln und geeigneten Anwendungen mit Bund, Land und anderen Kommunen zusammenarbeiten. Pilotprojekte müssen ausgewertet werden, bevor aus ihnen ein dauerhafter Einsatz wird.

Eine handlungsfähige Verwaltung braucht klare Zuständigkeiten und gute Zusammenarbeit. Viele Aufgaben – etwa große Bauvorhaben oder die digitale Transformation – betreffen mehrere Ämter. Wir wollen Verantwortlichkeiten früh klären, Vorhaben gemeinsam steuern und politische Beschlüsse verlässlich umsetzen.

Gute Daten und eine verlässliche Erfolgskontrolle sollen Entscheidungen unterstützen, ohne fachliches Urteil zu ersetzen. Digitale Akten und durchgängige Abläufe können Doppelarbeit verringern und Ressourcen sparen. Eine zentrale Koordination soll Digitalisierungsvorhaben nach ihrem Nutzen priorisieren und die Ämter bei der Umsetzung unterstützen. Moderne Organisation heißt für uns nicht ständiger Umbau, sondern verlässliche Strukturen, lernfähige Teams und die Fähigkeit, auch unter schwierigen Bedingungen zu handeln.

Die Stadt kann gute öffentliche Leistungen nur mit qualifizierten und engagierten Beschäftigten erbringen. Sie muss deshalb eine attraktive Arbeitgeberin sein: mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, mobiler Arbeit, Teilzeitmöglichkeiten, guter Ausstattung sowie verlässlichen Wegen für Weiterbildung und beruflichen Aufstieg. Gerade angesichts vieler bevorstehender Ruhestände braucht es eine vorausschauende Personalentwicklung und mehr Chancen für Ausbildung und Einstieg.

Vielfältige Teams treffen bessere Entscheidungen, weil unterschiedliche Erfahrungen einfließen. Wir wollen mehr Menschen mit Migrationsgeschichte für die Verwaltung gewinnen und den Anteil von Frauen in Führungspositionen erhöhen. Bewerbungen sollen Potenziale und Erfahrungen umfassend berücksichtigen, nicht nur geradlinige Lebensläufe. Digitale Werkzeuge müssen Beschäftigte unterstützen, statt Kontrolle oder zusätzliche Doppelarbeit zu erzeugen. Gute Führung, Beteiligung der Mitarbeitenden und eine Kultur des Lernens helfen, Fachkräfte zu halten und Veränderungen gemeinsam zu gestalten.

Die Stadt muss ihre Daten und digitalen Prozesse unter eigener Kontrolle behalten. Wir wollen offene Standards und Schnittstellen nutzen und freie Software bevorzugen, wenn sie die erforderliche Funktion erfüllt. Das verringert Abhängigkeiten, erleichtert die Zusammenarbeit mit anderen Kommunen und kann Systeme langfristig wartbarer machen. Digitale Souveränität bedeutet nicht Abschottung, sondern die Fähigkeit, über Technik, Datenwege und Veränderungen selbst zu entscheiden.

Zugleich brauchen öffentliche Dienste ein hohes IT-Sicherheitsniveau. Regelmäßige Aktualisierungen, qualifiziertes Personal, klare Zugriffsrechte und erprobte Notfallabläufe schützen sensible Daten und die Arbeitsfähigkeit. Für Cyberangriffe, Datenlecks, Stromausfälle und technische Störungen braucht es vorbereitete Ersatzwege und verständliche Kommunikation. Datenschutz und Sicherheit müssen von Anfang an mitgedacht werden. Offene Lösungen überzeugen nur, wenn sie zuverlässig funktionieren, barrierearm sind und langfristig gepflegt werden können.

Was die Stadt einkauft, beeinflusst Arbeitsbedingungen, Klima und Ressourcenverbrauch. Wir wollen soziale und ökologische Kriterien deshalb fest in Ausschreibungen und Beschaffungsentscheidungen verankern. Bei Computern, Arbeitskleidung und anderen Materialien sollen neben Preis und Funktion auch Haltbarkeit, Reparierbarkeit und glaubwürdige Zertifizierungen zählen. In Kitas, Schulen, Kantinen und bei städtischen Veranstaltungen wollen wir regionale und biologisch erzeugte Lebensmittel stärken.

Klare Kriterien und gemeinsame Standards erleichtern den Dienststellen die Umsetzung. Zugleich müssen Zielkonflikte transparent gemacht und die Alltagstauglichkeit gesichert werden. Nachhaltige Beschaffung nutzt die Nachfrage der Stadt, um faire Produktion zu fördern, Ressourcen zu schonen und langfristige Folgekosten zu vermeiden. Sie ist kein symbolischer Zusatz, sondern ein praktischer Hebel verantwortlicher Verwaltung.

Viele zentrale Leistungen für Bonn werden von städtischen Unternehmen und eigenständigen Organisationen erbracht. Wir wollen ihre Strategien an gemeinsamen öffentlichen Zielen ausrichten und ihre Zusammenarbeit verbessern. Rat, Verwaltung, Geschäftsführungen und Aufsichtsgremien brauchen dafür klare Rollen: demokratische Zielsetzung und Kontrolle auf der einen, verantwortliches operatives Handeln auf der anderen Seite.

Die Stadt soll Ziele, Risiken und Wirkungen ihrer Beteiligungen transparent machen, gemeinsame Vorhaben koordinieren und der Politik verlässliche Entscheidungsgrundlagen geben. Zusammenarbeit ist besonders wichtig, wenn Investitionen, Infrastruktur und Nachhaltigkeit mehrere Organisationen betreffen. Die fachlichen Ziele folgen dem jeweiligen öffentlichen Auftrag; gemeinsame Steuerung ersetzt nicht die Verantwortung der einzelnen Unternehmen. Entscheidend ist, dass sie handlungsfähig bleiben, gute Leistungen erbringen und ihren Auftrag für Bonn als gemeinsame Orientierung verstehen.

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